Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 8)
- Language
- German
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41 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. leihen versprach. Sollte ich nicht bleiben, so müßte ich versprechen, mit ihm künftig Briefe zu wechseln. Beinah 4 Stunden blieb ich bei ihm, wo ich recht vergnügt war, besonders als er mir viele Stellen aus j.’s »Klagen eines Juden«1) vorias und mir den Koran neu und elegant herausgegeben zeigte. Auch mit seinem Abschreiber, einem Dr. Hamburger2) machte ich Bekanntschaft, der mir anwies, beim Superintendenten in Oldenburg, Consistorialrath Bökel [einen Besuch zu machen] und eine Empfehlung von ihm zu bringen. Ich entfernte mich dann und hüpfte vor Freude, diese Bekanntschaft gemacht zu haben. Aber es freute mich besonders, daß F. sich nicht taufen [läßt] und für das Judentum wirken will. Denn er war über einen Andern ungehalten, der, um Professor zu werden, die Taufe anerkannt. Streben fürs Judenthum, meint er, sey das erste Bedingniß jedes studierenden Juden und das heißt ihm — streng wissenschaftliches, wohl auch philologisches Studium« (II, 34). Das allgemeine Tagesgespräch in Leipzig war damals die neue Erfindung. Vor ein paar Tagen erst3) war die zweite Eisenbahn im deutschen Reich, die Strecke Leipzig-Althen, eröffnet worden. Alle Welt lief hinaus, um das neue Weltwunder anzustaunen. Selbst versändl ich ließ auch unser Reisender sich das nicht nehmen. »Am Lundi (19. Nissan =) 24. April, gegen Mittag ging ich zum Thore hinaus, um die Eisenbahn und den Dampfwagen zu sehen. Eine unzählbare Menge war versammelt, die neugierig nach der Gegend, woher der Wagen kommen sollte, 4ו Es Ist von Joel Jacoby aus Königsberg die Rede, dessen »Klagen eines Juden« damals gerade herausgekommen waren. Der Verfasser trat gleich darauf zur Kirche über. Vgl. Graetzens Urteil über ihn, Band XI2, S. 461 ff. 5) Welcher Dr. Hamburger gemeint ist, weiß ich nicht. Man könnte vielleicht an den nachmaligen Meckl.-Strel. Oberlandesrabbiner denken, der eine mehr oder minder brauchbare biblisch-talmudische Realenzyklopädie herausgegeben hat. Er war ebenfalls in der Prov. Posen Ln dem bereits genannten Örtchen Schmiege! heimisch. 1) Am 14. April 1837, vgl. Handwörterbuch der Staatswissenschäften, s. v. Eisenbahn, Geschichte.