Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 4)
- Language
- German
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Aus H; Graetzens Lehr- und Wanderjahren. 87 er auf. Über die erste Begegnung zeichnete er Folgendes auf (II, S. *15): »Ja, auch diesen rühmlichst bekannten Mann besuchte ich und fand Scharfsinn versprechende einnehmende Züge, aber yernachläßigtes Äußere und vernachläßigte ungrammatische, ja mauschelnde Sprache, und dieses wundert mich, da seine Sprache in den Predigten doch' recht gediegen und gewählt ist. Er ist ungefähr in den Vierzigern, trägt einen Bart und scheint so recht echt religiös zu seyn. Aber sein Thun ist wilder Art, immer hin und her laufend, die Bücher räumend und zerstreut. [Mein Begleiter] stellte mich ihm vor, und ich freute mich nicht wenig, als er sagte, nachdem . . . ihm von den Briefen erzählt [war]: »ich habe heut schön davon gehört und war auch sehr neugierig. Des Rabbiners Werke habe ich gelesen; er ist ein צדיק, ich habe auch briefliche Miltheilung von Hamburg, daß seine Schriften bei den dortigen Neuerern (wahrscheinlich Templanern) sehr wirksam seyen und ihnen überhaupt gefallen, ich habe auch einen Gruß von ihm durch einen bekommen und werde ihm auch mit Ihnen schreiben.« Dieses Alles sprach [er] rasch auf einander und setzte mich ganz in Entzückung. Er schrieb aber doch nicht, weil er etwas Wichtigeres zu schreiben hätte und wünschte mir Glück zur Reise recht innig. Dank Dir, gütiger Schöpfer! Du überhäufst mich mit Deiner Güte! Zu den größten Männern kann ich jetzt kommen. 1זאדברה נגד מלכים ולא אבוש). Es war auch schon längst mein Wunsch, Umgang mit großen Männern zu haben... . Wenn ich nun Betrachtungen über Alles, was mit mir seit meiner Abreise von dem Hause meiner Eltern vorgegangen, anstelle, so finde ich, daß es großen Einfluß auf mich hat, und ob die Zeit wohl sehr kurz ist, doch mich so recht verwandelte und für die Zukunft recht empfänglich machte. Schon habe viele Personen kennen gelernt. Dadurch bin ich in den Stand gesetzt, mit den Menschen umzugehen. Ich habe mit gebildeten Männern gesprochen und werde dadurch dreister vor meinen Herzenskönig zu Elias Pleßners »Biblisches und Rabbmisches« aus Salomon Pleßners Nachlasse. ג) Ps. 119, 46.