Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 97% known words query
- IRI
…/2829132-2829892-2829894-2847926--43426-2847970- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
36 Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. Heimat, an die er Empfehlungen hatte, aufgesucht. Erst am Sonn״ abend, 17. April, »nachmittag besuchte ich ..... das Museum. Einen ergötzenden Anblick gewährten mir gleich im Hereintreten die Statuen der mythologischen Gottheiten in Rangordnung; dann: in dem eigentlichen Saal die Figuren historischer Personen, besonders die niedlichen einnehmenden griechischen Gesichter Trajans, Napoleons, Tassosvund anderer. Von da gingen wir in die Gemälde-Gallerie. Alles göttlich. Die vorzüglichsten Stücke berühmter Maler, Raphaels Madonna, der Sündenfall,. Noah mit seinen Söhnen, die Hölle, das jüngste Gericht etc. Schade, daß die Zeit uns mangelte, Alles gehörig zu betrachten. Aber dazu wären mehrere Tage erforderlich. Jetzt erst sah ich den Nutzen einer großen Hauptstadt ein. Von da besuchten wir noch einige merkwürdige Plätze. Eine Kiesel-Steinschaale, die bei Freienwalde: gefunden worden seyn und von dessen Splittern ein steinerner .meilenlanger Zaun verfertigt sey'n soll. Die Bildsäule Friedrich Wilhelms, des großen Churfürsten, machte einen sonderbaren Eindruck auf mich. Die berühmten »Linden«, . das »Brandenburger Tor« mit dem Triumphwagen sprachen mich ganz an« (II, S, 10). Viele neue Menschen lernte er kennen, die Teilnahme für ihn an den Tag legten. »Es ist doch ein beseligendes Gefühl«, schrieb er in sein Tagebuch, (II, S. 12), »von einer gebildeten Person, durch sich selbst geschätzt zu werden, und dieses Gefühl ist mir angenehmer als aller Prunk, nach dem die Weltkinder so sehr haschen. Aber überall sehe ich eine göttliche Alles leitende Vorsehung, der ich auch mein ganzes Sein überlasse. Diese mich oft bei jedem Vorfall begleitende Idee habe ich voraus vor den: Jünglingen, die ich bis jetzt her kennen gelernt. Wollte Gott,, dieses Gefühl werde bei mir so fest, so durchdringend, daß ich in Widerwärtigkeit nicht zu verzweifeln habe und im Wohlstände nicht zu hochmüthig werde.« Auch Saiomon Pleßner1), der sich damals bereits in weiten Kreisen eines guten Rufes als, moderner Prediger erfreute, suchte /) Geb. 23. April 1797 in Breslau, st. 28. Aug. 1883. in Posen. Näheres über seinen Lebensgang und sein Wirken in der Einleitung