Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 35

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 1
Article
Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren
Date
1919-01-01
Page
Seite 35 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2829132-2829892-2829894-2847926--43425-2847969
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

Mentioned entities

OCR text

5 entity mentions

Aus H. Graetzens Lehr- und Wanderjahren. 35 das die heiligsten Dinge mit Verachtung behandelt und mich einigermaßen wirr ,machte. Aber wenn ich von בא/7צ) zu sprechen Gelegenheit bekam, war ich wieder andern Mutes«. Endlich machte sich der Lohnkutscher auf den Weg. Für 2 Thlr. 18 Ggr. durfte Graetz nach Berlin mitfahren. Die Reise ging zunächst über Pinne und Kähme nach Schwerin a. d. Warthe. »Kalt und unfreundlich ist alles um mich her, nur den Gedanke, bei Ben-Usiel zu sein, belebt und begeistert mich zugleich. Am mardi, (6. Nissan '=) 13. April, kam ich in Sch w er in an; ich bin außerordentlich neugierig, den David* 2 3), von dem mir [etliche Bekannte] doch so viel erzählten, kennen zu lernen, Ich fand den Vater, den Rabbiner, interessanter als den Sohn« (II, S. 6). Der Vater war nämlich R. Chajjim (Heymann) Joel, der vormals Oberrabiner in Birnbaum gewesen war. Er war ein Talmudmeister der ,alten Schule und gehörte zu den wenigen gelehrten Zeitge- * nossen, die, wie der Berliner Vize-Oberlandesrabbiner R. Meyer Simon Weil (st. 1826), der Rawitscher Rabbiner R. Josua Bär Herzfeld (st. 1846), der Braunschweiger Landesrabbiner Samuel Lewin Eger (st. 1842), ein tieferes Verständnis für die Forderungen der Neuzeit besaßen5). Sein ältester Sohn David aber gehörte zum ersten Geschlecht der modern gebildeten Rabbiner in der Provinz Posen. Später war er in Schwersenz und in Krotoschin Rabbiner und ist hier in Breslau als Seminarrabbiner und Graetzens Amtsgenösse am 7. September 1882 gestorben4). Von hier ging es am Mittwoch weiter über Küstrin, wo »die Oder von der einen, die Warthe von der andern Seite stürmte«, Sonnenburg und Müfncheberg nach Berlin. Erst Freitag Mittag kam man dort an. Zuerst wurden die Bekannten aus der 1) =r אגרות צפון• Das sind eben S. R. Hirsch’s »neunzehn Briefe«. 2) Nämlich David Joel, geb. 12. Januar 1815 in Hohensalza. 3) Vgl. Jahrg. 1845 der AZd). Nr. 33. Fürstenthals Rückblick auf das Jahr 1845 in Kleins Kalender für 1846 und M.S. Jahrg. 59 Q1915), S. 308, und über S. L. Eger. Auerbach, Gesch. d. isr. Gern. Halberstadt, S. 104, 145, 216—222. 4) Vgl. meine »Geschichte des jüd.-lheol. Seminars« S. 108f. 130. 3*

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.