Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Krieg als jüdisches Erlebnis
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 12 (sequence 12)
- Language
- German
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12 Der Krieg als jüdisches Erlebnis. hörte. Ich bin mir freilich vollkommen bewußt: ein Letztes kommt hinzu, das nicht übergangen noch ausgeschaltet noch unterschätzt werden darf. Es gab noch eines, das zum Gottesdienst zog; es verlieh ihm Grund und Verwurzlung, Farbe und Prägung, weil es in ihm den gegebenen Exponenten fand. Es überschritt den kleineren Bezirk der Gottesfurcht, weitete das Judentum zum schrankenlos umfassenden Faktor. Ich verweise auf das Negative, das dreifach den jüdischen Krieger abstieß, wie das Schlachtgewühl seine Menschlichkeit tiefer verletzte, seine Seele sich fester knüpfte an die Lieben daheim, wie seine Sonderart unter den andern seelisch verwelkte, wofern sie nicht gehaßt und gemieden war. Wo lagen für ihn Verständnis und Teilnahme befreit? Wo durfte er sich ergehen, ohne Anstoß - zu fürchten, ohne auf Hohn und Kränkung zu treffen? Wo konnte er zudem aufrecht sein Judentum bekennen, durch Meldung, durch Beurlaubung erweisen, daß er die Gemeinschaft, die man ihm vorwarf, nicht feig oder schamhaft verstecke? Im Feldgottesdienst mündete jeglicher Ausweg, von welchem Orte er aufbrechen, zu welchem Ziele er pilgern mochte. Und wie bei der Truppe schon die Solidarität den Zusammenschluß mit jüdischen Kameraden erzwang, wie er innerhalb eines Lazaretts fast in der Stunde der Einlieferung erfuhr, ob es jüdische Leidensgefährten berge, so marschierte er unverdrossen Kilometer um Kilometer. Das jüdische Blut, das in den Adern kreiste, sang ihm das Wanderlied. Und darauf neben solchen zu stehen, die Herkunft und. Glaube mit ihm verband, Blutsart und Seelengemeinschaft zusammenschloß, von ihnen umhegt, umfriedet zu sein, welch innere Beglückung, welch wundersame Erhebung, daß schneller darob die Pulse jagten und hämmerten — nicht kühle, verstandesarme Zergliederung deutet es aus: ein Gefüge wortreicher Sätze wäre ein Sarg, dessen Deckel das püisierende Erlebnis sprengte. Wie armselig, preßt man’s in eine Schablone und klebt wohlgefällig die Etikette des jüdischen Nationalismus darauf! Wie engherzig nicht minder, .versteift man sich, es müßte politisch in Bestrebungen und Forderujigea des Zionismus enden, obgleich dessen Bewegung