Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Krieg als jüdisches Erlebnis
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 13 (sequence 13)
- Language
- German
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13 Der Krieg als jüdisches Erlebnis. breite Massen der Kriegsteilnehmer ergriff! Ich schweige von mir und erwähne einen Freund, dessen Namen die jüdische Zeitungsweit kennt. Zu Kriegsbeginn ereiferte er sich, zwischenstaatliche Beziehungen zur Judenschaft feindlicher Länder seien ein für alle Mal zu durchschneiden und abzutrennen; wie der Feldzug in den zweiten Winter hineinging, ließ er ein Lehrbuch schicken jf־ > und lernte hebräisch. Keines Schemas wegen, nicht der hohlen Phrase zulieb erscholl aus feldgrauen Kreisen so dringlich und wiederholt die Bitte um Einigkeit, der beschwörende Ruf nach der Parteien Versöhnung. Er verlangte nicht plätte Gleichmaclierei. In ihm triumphierte — ich finde keine bessre Be- Zeichnung — das jüdische Allgefühl: seine Flamme lohte verzehrend und läuternd, von jeder Andacht unterhalten, wenn aber zum Fest die Hunderte zusammenströmten, dann entfacht und durchglüht und gen Himmel gesteigert. Das Brausen der Chöre beim Ausheben der Thora, die Melodien der Haggada beim dürftigen Seder, das Schmettern des Moaus Zur im Flackern der Lichter — wer sich in die strömende Wonne einmal hineinwarf, darein zu tauchen und die Seele zu baden, wahrlich," er schämt sich nicht, erzählt er mit armseligem Stammeln davon, und sein Auge wird feucht. Meine Betrachtung neigt ihrem Ende sich zu. Sie verschmähte es nicht, sich auf persönliche Erfahrung zu stützen, die der Krieg mir schenkte. Aber sie fußt zur Genüge auf sachlicher Beobachtung, bei anderen vorgenommen, auf Einverständnis und Bestätigung, ringsum empfangen und eingeholt. Träte jetzt köpfschüttelnd einer daher, der, im Felde gewesen, nichts davon verspürte, was ich in ihn hineintrug, aus ihm herauslas, er erschlitterte die allgemeine Gültigkeit nicht, die meine Untersuchung beansprucht. So abweisend und anmaßend es klingt, ich erübrigte für ihn nur mitleidsvolles Bedauern. Denn ich gebe den Glauben nicht auf, daß der namenlose Schrecken des Weltkriegs einem höheren Heilsplan diente. Was er der Menschheit bringt, preisen dereinst kommende Geschlechter. Was er Deutschland vermittelt in seiner Niederlage, wir hoffen es zu schauen, wenn die Wirrnis