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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 11

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 1
Article
Der Krieg als jüdisches Erlebnis
Date
1919-01-01
Page
Seite 11 (sequence 11)
Language
German
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Der Krieg als jüdisches Erlebnis. 11 vorausgewußte Einkehr der Andacht zu etwas Erwartetem, etwas Vertrautem, das dazu gehörte, nicht säumen durfte. Und stets von neuem überwältigte ihn mit den andern der Kontrast des Raumes, der die Beter vereinte, Wiese und Trümmerstätte, Scheune und Kirche oder Quartier, abweichend vom Gewohnten und Geliebten zu Haus. Und immer wieder packte ihn die gedrungene Kürze der Andacht, nicht künstlich vorbereitet noch zugestutzt, auf unwesentlich mehr denn eine halbe Stunde beschränkt, in einer, Auswahl hebräischer Stücke verankert, von deutschen Gebeten umrahmt, an beliebigem Fleck in knapper Predigt gegipfelt: Kein besoldeter Chor war einstudiert — die Gemeinde sang (sie lernte es allmählich). Selten fungierte ein Kantor, stimmlich gebildet״— der vor den andern im Gebetmantel stand, gab, was er konnte. Kein Orgelhall erstickte keimende Andacht — sie sproßte und blühte, im Herzen gesät, von scheuem Gemurmel geerntet. Ein Stempel der Einheit drückte dem Ganzen sich auf, da fast stets alle Funktionen in mir sich vereinten. Und auf Ehre und Gewissen sei’s gesagt: nicht eTn einziger der zahllosen Gottesdienste, die mein vierjähriges Feldräbbinat durchzogen, entließ mich, verhallte der abgewandelte Priestersegen zum Schluß, ohne den Eindruck: Hier ist gebetet worden schlicht und fromm und andachtsvoll! Dem jüdischen Feldgottesdienst kam zu Gute, was sich draußen am Menschen überhaupt vollzog: der heimatlichen Beziehung bar, stellte ihn das Geschick auf sich selbst; da fiel Tand und Zufälligkeit von ihm ab, er zog sich auf seinen Kern zurück und lernte die Dinge herb scheiden, nüchtern ihr Wesen herausschälen. Er fühlte, weshalb einer zur Andacht den Schritt lenkt, was die von ihm fordert und ihm gebietet. Aus heißer Seele, aus wundem Herzen zu beten, verschwiegene Zwiesprache zu halten mit dem in der Höhe — darauf kommfs an, nicht auf den Schwatz und die. Eitelkeit, die leider unsere Synagogen verunstalten. In diesem Sinne stehe ich nicht an, Besserwissern und Spöttern zum Trotz von einer Kriegsfrömmigkeit zu sprechen, von einer Neugeburt des Religiösen im Felde, der Wiederbelebung des Jüdischen auf dem Gebiet, das von je unserem Stamme ge-

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