Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 10

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 1
Article
Der Krieg als jüdisches Erlebnis
Date
1919-01-01
Page
Seite 10 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
91% known words query
IRI
…/2829132-2829892-2829894-2847923--43403-2847949
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

10 Der Krieg als jüdisches Erlebnis. füllte, nach kurzer Frist zusammenbrach: ihm folgte der Rückschlag ungestümer und reißender, je stürmischer einst der Drang hervorbrach. Es hieße mir selbst wie andern Sand in die Augen streuen, suchte ich im Feld einen ähnlichen Vorgang zu vertuschen. Als die Andachten draußen den Nimbus des Außergewöhnlichen abstreiften, bei ruhiger Kampfzeit in bemessenem Abstand wiederkehrend, als die Erscheinung des Feldrabbiners der angestaunten Sensation sich entkleidete (ihrer Betrachtung mischte sich Stolz und Genugtuung bei), seitdem ließ der Andrang zum Feldgottesdienst merklich nach; es schwächte sich die Stimmung, die über ihm lagerte. Doch genug blieb zurück, um sinnfällig aufzuzeigen: stürzte die Flamme, die in der Heimat emporschlug, wie. ein Strohfeuer, knisternd und qualmend, im Lager des Heers dämpfte sich die Lohe, da sie nicht mehr so hoch ging, zu einer stillen Glut; sie glomm in den Herzen und wärmte sie, zog, wen’s fröstelte, an, und kehrte er in unwirtliches Gelände zurück, gab sie beseligendes Leuchten auf seinen Weg. Trieb wohl manchen der Wunsch, gelegentlich sich vom Dienste zu; drücken, der scharfen Zucht und Aufsicht des Truppenteils zu entrinnen, den Durchschnitt lockte religiöses Bedürfnis. Er wollte abwerfen, was ihn lastend beschwerte. Aus dem Grauen der Schlacht sehnte er sich nach einer Stätte des Friedens. In die Öde der Fremde, die unverstanden ihn einengte, wollte er ein Stück heimischen Bodens verpflanzen. Der dem Tode stündlich ins Auge sah, sein oder des Nebenmanns Ende als eine Mögliche keit erwägend, die bloß zögert und im Nu sich erfüllt, auf ihm wuchtete ein adliger Ernst, eine schwermutvqlle Bereitschaft, von hinnen zu gehn, vor dem höheren Richter zu erscheinen. Das alles schlummerte in ihm, ausgesprochen oder geahnt. Und es dämmerten Tage, da es erwachte, da es ans Licht drängte, in ausbrechendem Jubel frohlockte. Es hob ihm die Füße, mochte sich der Regen ergießen> der Weg sich dehnen, der Morast sich klebrig vertiefen. Beinah jeder der regelmäßigen Gottesdienste, die ich durch Dj visionsöder Korpstagesbefehl ansagte, hatte sozusagen seinen Stamm* Er fehlte niemals; ihm wurde die

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.