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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1919-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
63 (1919)
Issue
Heft 1
Article
Der Krieg als jüdisches Erlebnis
Date
1919-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Der Krieg , als jüdisches Erlebnis. nicht bis in die letzte Woche zu ihr sich drängten. Allgemein trifft die Behauptung zu: wie eine Versammlung jüdischer Soldaten von anderen Zusammenkünften kaum ab wich, wie es krampfhaftes Bemühen gekostet hätte, aus dem feldgrauen Gewimmel, das eintönig die Masse verschmolz, greifbar jüdische Typen zu sondern, also prägte sich kein wahrnehmbarer Spalt in Empfindung und Auffassung aus. Die Verschiedenheit des Charakters, der die Persönlichkeit formt, bleibt hier und dort Vorbehalten. Aufs Ganze gesehen, wird es nicht leicht fallen, äußere Differenzen grund־ legender Art herauszuklügeln. Am Ruhmestitel der deutschen Front bis zum Waffenstillstand die Stellung behauptet, eine Flucht verhindert, dem Gegner die Heimat verwehrt zu haben, gebührt dem jüdischen Einschlag ein ungeschmälerter Anteil. Minder bestritten und ungeklärt endet die Untersuchung über das zweite, das der Krieg den Hunderttausenden aufbürdete: die Trennung vom Hause, die Loslösung vom Beruf, die Entfernung von Frau und Kind, Vater und Mutter. Man weiß, daß nichts, ob an der Front, ob in der Etappe ein tieferer Klang umstrich, ein trauterer Zauber umhauchte als den Namen der Heimat. Was die Sprache, da sie ihn erschuf, in ihr Erzeugnis hineinlegte, schien nun erst sich entfalten zu können. In Sehnsucht ward es gefühlt und verstanden. In Wehmut ward es geahnt und beweint Doch begegnet auch nirgends ein Wort, das öfter im Gespräche aufgetaucht, im Feldpostbriefe erklungen wäre — ich bleibe dabei: im Innern des Juden formte es. sich am tiefsten, am reinsten, am zartesten. Es läßt sich nicht in Abrede stellen, daß . leider der Wandel der Zeit auch, unsere Familien nicht verschonte. Der üblen Entwicklung zum Trotz ward der Vergangenheit Erbe noch nicht getilgt. Ohne sonst eine Gesamtheit herabzusetzen, büßt die Feststellung zu unserem Lobe nichts ein: der jüdische Kamerad ward schmerzlicher bewegt, gründlicher, aufgerührt, nachhaltiger gepackt, stiegen die Seinen vor ihm empör. Ich gewahrte es im Lazarett, sooft ich an einem Bette saß; beim älteren Landsturm vermied ich es gern, von seiner Häuslichkeit zu beginnen, un-fehl־- bar kramte erdas Bild der Frau, der Kinder aus seiner Brieftasche,

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