Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 63 (1919)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Der Krieg als jüdisches Erlebnis
- Date
- 1919-01-01
- Page
- Seite 3 (sequence 3)
- Language
- German
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Der Krieg als jüdisches Erlebnis. 3 heit des Ghettos unseren Arm des Waffengebrauchs! jüdischer Art kraft dessen, was jahrhundertalte Gewöhnung ihr einimpfte, . ist es nicht gemäß,’ mit der Faust dreinzuschlagen, an die Entr Scheidung roher Gewalt zu appellieren. In Leiden geübt, verfeinerte sich unser Empfinden: vor allem Blutigen wohnt unserem Instinkt ein Abscheu inne, dessen keine Kultur sich zu schämen \ braucht Wie in der Kriminalstatistik jüdische Mörder und Tot- Schläger mangeln, liegt demnach die Annahme nahe, daß dem jüdischen Krieger an sich sein militärisches Handwerk nicht zusagte. Und gleichwohl wäre es krasse Verleumdung, theoretisch den Schluß ziehend, ihn! stockenden Eifer oder ein Versagen im gültigen Moment zu unterschieben. Es steht nur so: der Angehörige unseres Stammes knallte niemals los um des Losknallens willen. Er stach nicht nieder, . weil er Gefallen dran fand, zu treffen und gen Boden zu strecken. Ich kann mir nicht ausmalen, daß irgendwo ein jüdischer Soldat einem verwundeten Feinde, der wehrlos ihn anflehte, den Garaus versetzte. Obgleich er zumeist größere Hemmung in sich überwand, bevor er das erste Mal anlegte und abfeüerte — er übte seine grausige Pflicht wie jeder andere. ’Freilich drückte manchen (der und jener gestand es) hernach in ruhiger Stunde desto schwerer die Erkenntnis, wie Unmenschliches, wie Unnatürliches um der Notwehr willen ihm auferlegt war. Daneben jedoch muß ich bezeugen, auf vielfältige Erfahrung gestützt: ich traf genug, denen man anmerken, denen man glauben durfte, daß die Ansprüche des Feldzugs ihnen nichts Fremdes, nichts Unerhörtes, nichts Widerspruchsvolles waren. Den jüngeren Jahrgängen zugehörig, umwehte sie ein Hauch des frisch-fröhlichen Krieges. Sie entstammten durchaus nicht Schichten, die vielleicht;;die übliche Anschauung restloser Assimilation hin־־ zugesellt. So paradox es klingt, waren es oft jugendliche Zionisten, geweckte, entflammte Nationaljuden, in denen deutsches Draufgängertum sprühte. Gefällt man sich in biblischer Reminiszenz, so mag man vömmakkabäischem Blute reden, von seinem Durchbruch, seinem Emporquellen in spätesten Enkeln: ihnen war kein Trommelfeuer zu dicht, keine Patrouille zu verwegen, daß sie r*