Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden in den Balkanstaaten
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 58 (sequence 2)
- Language
- German
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58 Zur Geschichte der Juden in den Balkanstaaten. ganze Welt für das Schicksal seiner unglücklichen Glaubensgenossen interessiert zu haben. In drei jüdischen Konferenzen wurde die Lage der rumänischen Juden beraten. In der ersten internationalen zü Brüssel 1872 wurde die Erleichterung ihrer Einwanderung nach Amerika beschlossen; in einer zweiten zu Paris 1876 abgehaltenen wurden die Vorschläge angenommen, dahin zu wirken, den Nichtmohammedanern im türkischen Reiche Gleichstellung zu verschaffen und auf ihre Emanzipation in den Balkanländern hinzuwirken,, ohne daß diese Beschlüsse einen sonderlichen Erfolg aufzuweisen hatten. In einer dritten zu Paris 1878 wurde die Einwanderungsfrage nach Amerika weiter diskutiert und vor der Verschickung Armer gewarnt. Inzwischen war der Berliner Kongreß 1878 abgehalten worden (13. Juni), von Amerika war die Anregung ausgegangen, den Juden in Rumänien gleiche Rechte wie den übrigen Untertanen auszuwirken. Die gleiche Forderung hatte Eduard Lasker im deutschen Reichstag, M. Wahrmann und Ignaz Kuranda in Österreich erhoben; Cremieux und Montefiore hatten Frankreich und England für solche menschenfreundlichen Pläne zu gewinnen gesucht; durch G. von Bieichröder1) war Bismarcks Interesse und Teilnahme gewonnen. Obgleich Rußland seiner Politik treu blieb, die darin bestanden hatte, alle Bemühungen zu verwerfen, die darauf abzielten, den Juden in Rumänien und der Türkei zu helfen, und fortfuhr, sein Augenmerk nur auf die notleidenden Christen zu richten, die Juden aber unberücksichtigt zu lassen *) Es ist ein Irrtum, wenn S. 47 Anmerkung Julius Bieichröder als Vetter Gersons bezeichnet wird, er ist vielmehr sein Bruder. Ob der erstgenannte, ein ganz vortrefflicher Mann, der sich aber in öffentlichen Angelegenheiten bescheiden zurückielt (er darf nicht Vorsteher der Berliner Gemeinde genannt werden, wie es in der betreffenden Anmerkung geschieht, sondern war nur einfacher Repräsentant), einen wirklichen Einfluß auf seinen Bruder übte, ist mir nach meiner genauen Kenntnis des Wesens des Genannten höchst zweifelhaft. Auch zu der Nachricht, daß Julius Bieichröder Leiter der Versammlung in Brüssel gewesen, wie es S. 24 heißt, möchte ich ein Fragezeichen setzen.