Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Geschichte der Juden in den Balkanstaaten
- Date
- 1918-01-01
- Page
- 57 (sequence 1)
- Language
- German
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Zur Geschichte der Juden in den Balkanstaaten. Von Ludwig Geiger. In den Publications of the American Jewish Historical Society Number 24, die uns merkwürdigerweise nach der Kriegserklärung Amerikas zugegangen sind, wird eine wichtige Studie abgedruckt, die den folgenden Titel führt: Jewish disabiiities in the Balkan States, American contributions toward their removal, with particular reference to the congreß of Berlin. By Max J. Köhler and Simon Wolf. Ich versuche im folgenden möglichst kurz den Inhalt dieser aufschlußreichen Abhandlung wiederzugeben, die ein in Deutschland wenig bekanntes und bearbeitetes Material darbietet. Nach den Judenverfolgungen, die 1870 in Rumänien stattfanden, wurde durch die Vereinigten Staaten Benjamin P. Peixotto als amerikanischer Konsul zwar ohne Gehalt, aber durch die amerikanischen Juden mit reichen Geldmitteln versehen, auf 5 Jahre nach Bukarest geschickt. Er erhielt warme Empfehlungen vom Präsidenten Grant und wurde von dem neuen König Rumäniens Karl freundlich empfangen. Aber bald nach seiner Ankunft im Jahre 1872 wurde der Haß gegen die Juden in Rumänien außerordentlich heftig infolge der Diebstähle und Entweihung, die in einer Kirche von Ismail stattgefunden hatten, Verbrechen, die zwar ausschließlich von einem getauften Juden begangen waren, von diesem aber anderen unschuldigen Juden zugeschrieben wurden. Die letzteren wurden wirklich trotz ihrer Unschuld mit schweren Strafen belegt. Die Sache wurde zu einer in ganz Europa und Amerika besprochenen Angelegenheit, sodaß durch den Einspruch verschiedener Mächte die Unschuldigen schließlich befreit wurden. Peixotto, dessen Unermüdlichkeit dieser glückliche Erfolg in erster Linie zu verdanken war, bemühte sich außerdem um bessere Erziehung der Juden und begründete zur Erreichung dieses Zweckes und anderer humaner Ziele Vereine und Komitees. Aber vor allem gebührt ihm das Verdienst, die