Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 46 (sequence 10)
- Language
- German
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46 Zur Lebensgeschichte Uriel da Costas. Evidenz führen. Im Jahre 1616 bitten vornehme portugiesische Juden in Venedig den dortigen Rabbiner Leon Modena, eine Erwiderung auf ketzerische Fragen zu verfassen, die ein damals in Hamburg wohnender Zweifler aufgezeichnet und nach Venedig geschickt habe. Leon Modena schreibt daraufhin!), nicht im Namen des gesamten Vorstandes und Rabbinats der drei jüdischen Gemeinden von Venedig* 2), an die Vorsteher der Gemeinde Hamburg in Sachen des dortigen Ketzers, dieser habe eine Anzahl Angriffe und Einwände gegen die Lehre unserer Weisen nach Venedig geschickt und er (L. Modena) haben darauf wahrheitsgemäße Erwiderungen verfaßt. Werde der sadducäisch oder karäisch gesinnte Erzketzer und Leugner (טיך ואפיקורוס!:מור) sich mit diesen ihm zuzustellenden Fragenbeantwortungen zufrieden geben, sei die Sache gut erledigt Wo aber nicht, müsse gegen ihn aufs strengste vorgegangen und der schwerste Bann, den für diesen Fall die Unterzeichneten schon von jetzt ab über ihn und seine Gesinnungsgenossen aussprechen, in der Hamburger Synagoge^) verkündet werden. Dann hätten x) Siehe Blau, Leon Modenas Briefe, Budapest 1905—6, hebr. Teil, Nr. 156. 2) Blau ebendas, deutscher Teil, S. SS meint, daß die Absender dieses Schreibens nach Hamburg nur venezianische Sefardim gewesen sein können. Aber der Ton dieses Schreibens ist der eines autoritativen religionsgesetzlichen Bescheides: ובכן זה הוא דברנו למעלתכם .... הנה אגהנו מעתה ומעכשיו בשם ה׳ אלד,י ישראל וב״ד של מעלה מנדים ומחרימים אותו ״.. וגוזרים ... אז תפרסמו גזרתנו. 3) Wenn auch der 1617 zwischen der Hamburgischen Bürgerschaf t und den dortigen portugiesischen Juden geschlossene Kontrakt in seinem ersten Punkte die Bestimmung enthielt: »Es soll . . die Nation . . keine Synagogam haben« (siehe Reils in Ztschr. f. Hamburgische Gesch. II, 381), so ist es doch selbstverständlich, daß die in Hamburg wohnenden Juden in irgend einem Raume zum Gottesdienste zusammenkamen, also ihre Synagoge (בית הכנסח bei Leon Modena genannt) hatten. Die Angabe bei GraetzX3, 18, daß für die von Eliahu Abo ab als erste in Hamburg um 1626 gegründete und Talmud Thora genannte Synagoge der Hahani Isaak Athias als Rabbiner berufen worden sei, bedarf der Berichtigung. Aus dem Briefe Leon Modenas an die Vorsteher der Gemeinde Hamburg geht zunächst hervor, daß