Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 62 (1918)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Über einige englische Scholastiker des dreizehnten Jahrhunderts in ihren Beziehungen zur jüdischen Literatur
- Date
- 1918-01-01
- Page
- Seite 19 (sequence 4)
- Language
- German
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in ihren Beziehungen zur jüdischen Literatur. 19 meiner Forschungen1) darauf hingewiesen, daß das maimonidische Werk auch von anderen Scholastikern mit nicht minder seltsamen Titeln bezeichnet wird. Wahrscheinlich ist, wie auch Musik bemerkt, der Titel De Expcsitione Leguni vom dritten Teil des More hergenommen, der sich vorwiegend mit einer rationellen, Auslegung der pentateuchischen Gesetze beschäftigt, und von diesem irrtümlich auf das ganze Buch übertragen worden. Es unterliegt wohl keinem Zweifel, daß dem Verfasser unserer Abhandlung der More in der lateinischen Übersetzung vorlag, die schon in den ersten Jahrzehnten des XIII. Jahrhunderts, im christlichen Abendland verbreitet war und von den Scholastikern durchweg benutzt wurde2). An einer Stelle aber wird eine zweite Übersetzung erwähnt3). Was ist damit gemeint? Eine zweite lateinische Übersetzung hat es im dreizehnten Jahrhundert wohl kaum gegeben; von einer solchen findet sich nirgends eine Spur/ Sollten dem VerFasser die beiden hebräischen Übersetzungen bekannt gewesen sein, die des Jehuda al-Charisi, die, wie Perles nachgewiesen hat, der alten lateinischen Übersetzung zugrunde liegt4), und die des Samuel ihn Tibbon? Auch das halte ich bei einem Scholastiker des XIII. Jahrhunderts für durchaus unwahrscheinlich5). Ich bin deshalb auf die Vermutung ge- 2) Die Scholastik etc. S. 162, A. 1. 2) Guttmann, Thomas S. 32, A. 1, Scholastik S. 22. Die Herausgabe dieser in einer Handschrift der Münchener Hof- und Staatbibiiolhek von Josef Perles entdeckten Übersetzung (Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums, 24. Jahrgang (1875) S. gfgg.) ist ein Desideratum, dessen Befriedigung dringend zu wünschen ist. 3) Mandonnet S. 23, N. 7 Schluß: ut rnanifestius palet ex alia translation e. 4) Monatsschrift 24, S. 72. ö) Raymund Martin, ein Zeitgenossse des Albertus Magnus und des Thomas von Aquino, zitiert allerdings in seinem Pugio fidei adversus Mauros et Judaeos den More bald nach der Tibbon’schen und bald nach der Charisischen Übersetzung (Perles a. a. O. S. 16, A. 2). Aber Raymund Martin war eine Ausnahmeerscheinung. Kein zweiter christlicher Theologe des Mittelalters besaß eine Kenntnis der jüdischen Literatur, die sich auch nur annähernd mit der seinigen vergleichen ließe. 2*