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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 1 · p. Seite 75

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1917-01-01
Page
Seite 75 (sequence 4)
Language
German
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Besprechungen. 75 überwinde, und wie Gott eins werde. Dies ist auch der Sinn des Sündenfalles, der Mensch wollte wie Gott sein, anstatt es zu werden,. dann wurde verkündet, daß der unbedingt lebende Mensch Gottes Genosse im Schöpfungswerk sei, woraus sich dann das Geheimnis der Geheimnisse entwickelte, daß die absolute Tat Einfluß auf das Schicksal Gottes habe. Die Schechina sei in der Welt des Bedingten in Verbannung und könne nur durch die unbedingte Tat erlöst werden. — Der Prophet verkündet Religiosität, der Priester Religion. Diesen Zwiespalt finden wir schon beim goldenen Kalbe. Moses fordert Entschiedenheit, Aron hört auf die Stimme des Volkes. Die erste jüdischgeschichtliche Periode charakterisiert der Opferkult. Der Priester verkündet: wer sündigt, bringe ein Opfer, der Prophet verlangt die gute Tat. Beim zweiten Tempel tritt die heilige Schrift in den Mittelpunkt der religiösen Institution. Diese wurde von einer von Priestern inspirierten Körperschaft redigiert, die alles Mystische ausschied. Sie wurde ein Hemmschuh der Religiosität. Die Gegenaktion finden wir zum Teil in der Agada und bei den Essären, das im Urchristentum mündete, aber keiner dieser erneuerte das Judentum. — Nach der Zerstörung Jerusalems trat die Tradition in den Vordergrund, die alles Fremde fernhielt, zugleich aber auch die lebendige Religiosität. Die Gegenaktion entwickelte sich in der Kabbala, besonders durch Lurja und den Chassidismus. Doch auch diese gewannen nicht die Herrschaft. Das dritte Kapitel hat mehr apologetischen Charakter. Rassentheoretiker und Apologeten stimmen überein, daß die Juden keinen Mythos hätten. Nur je nachdem man diesen als primitive Vorstufe der Religion und als Metaphysik der Seele betrachtet, verherrlichte oder verachtete man das Judentum. Beide haben Unrecht. Schon in der Bibel finden wir manche versprengte Adern edlen mythischen Erzes. Im nachbiblischen Schrifttume da wuchert der Mythus im urweltlichen Reichtume. Verfasser polemisiert mit Neumark, der den Kampf des Rabbinismus gegen den Mythos als fortschreitende Reinigung der Religion erklärt. Im Gegenteil. Mythos ist die lebendige Kraft des Monotheismus. Ein vom Mythos gereinigter Gottesglauben, wie ihn die Rabbinen wollten, ist ein »elender Homunkulus«. Nicht Caro noch der Gaon aus Wilna, sondern Lurja und Israel Bal-Schem sind die Erneuerer des Judentums, weil sie es aus den Wurzeln seines Mythos erneuerten. — An der Hand der Bibelkritik stellt er den jüdisch-monotheistischen Gottesbegriff als ein Produkt mythologischer Entwickelung hin. Er erklärt ferner die Ent-

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