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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 1 · p. Seite 74

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 1
Article
[Rezension]
Date
1917-01-01
Page
Seite 74 (sequence 3)
Language
German
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74 Besprechungen. Das Grundprinzip des Orients haben die Juden verwirklicht. Sie sind die wahren Antipoden der Griechen/haben eher Stimmungen als Bilder, der Grieche sieht in der Welt eine Vielheit, bindet diese in Begriffe, schreitet fort, zu Abstraktionen und schließt dort das Denken ab. Und gerade da beginnt die Geistestätigkeit für den Juden. Auch er sieht die Welt entzweit, aber nur in seinem innern Ich. Das Widerstrebende ist die Sünde, und in der Bewältigung derselben vollzieht er das größte Mysterium, d. h. er vollendet das Werk der Schöpfung Das Pathos der Forderung, der Wert der absoluten Tat, hat im Judentum seine größte Intensität gewonnen. Diese völkerpsychologische Charakterisierung erklärt auch die geschichtsphilosophische Erscheinung, daß die großen religiösen Systeme nur im Orient entstanden sind. Europa hat wohl große Ideologen und Dichtungen, aber es fehlte die irrationale Grundlage, die nur ein motorischer Geist bieten kann. — Das Judentum wollte seine Botschaft nicht wie Christentum und Islam in die Welt hinaustragen, sondern auf jkanaanitischem Boden eine vorbildliche Menschengemeinschaft bilden. Durch die Zerstörung des jüdischen Staates wurde diese Kontinuität des jüdischen Geistes zerrissen. Weder Rabbinismus, noch Reformjudentum vertreten den echten Geist des Judentums. Die Kraft der Unbedingtheit, wie ihn der jüdisch-motorische Geist fordert, lebte nur in der Mystik (Kabbala), lebte in dem Chassidismus auf, der aber, weil er die Schranken des Rabbinismus nicht durchbrochen, nur halbe Arbeit verrichtete. Dieser orientalische Geist kann nur erstehen, wenn das Ideal des Zionismus verwirklicht wird und eine jüdische Gemeinschaft in Palästina errichtet wird. Um seinem Werke eine gewisse Aktualität zu geben, glaubt der Verfasser, daß zur Lösung dieser Aufgabe hauptsächlich Deutschland berufen sei, das mit seinen metaphysischen Forschungen dem orientalischen Geiste am nächsten stehe, und weil zwischen Deutschtum und Judentum stets die größte geistige Wechselwirkung bestanden. Im zweiten Kapitel definiert der Verfasser den Begriff Religiosität, der Aktivität, Erhebung zum Unbedingten bedeutet, im Gegensatz zur Religion, die etwas Passives ist, die Summe von Bräuchen und Gesetzen. Das Judentum verlangt Religiosität, den Akt der Entscheidung, den jeder selbst vollziehen muß. In kurzen Strichen zeichnet der Verfasser, wie sich die Idee der Religiosität im Judentum entwickelte. Erst wurde verkündet, daß der Mensch Gott nachahme, die innere Entzweiung

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