Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 43 (sequence 18)
- Language
- German
- Belongs to
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Lazarus Bendavid. 43 juden, meint Kant, ist dieses (d. h. eine angemessene Umbildung der Glaubensformen) ohne die Träumerei einer allgemeinen Juden¬ Bekehrung (zum Christentum als einem messianischen Glauben) möglich, wenn unter ihnen, wie jetzt geschieht, geläuterte Religionsbegriffe erwachen, und das Kleid des nunmehr zu nichts dienenden, vielmehr alle Religionsgesinnung verdrängenden, alten Kultus abwerfen. Da sie nun so lange das Kleid ohne Mann (Kirche ohne Religion) gehabt haben, gleichwohl aber der Mann ohne Kleid (Religion ohne Kirche) auch nicht gut verwahrt ist, sie also gewisse Förmlichkeiten einer Kirche, die dem Endzweck in ihrer jetzigen Lage am angemessensten wäre, bedürfen, so kann man den Gedanken eines sehr guten Kopfes dieser Nation, Bendavids, die Religion Jesu (vermutlich mit ihrem Vehikel, dem Evangelium) öffentlich anzunehmen, nicht nur für sehr glücklich, sondern auch für den einzigen Vorschlag halten, dessen Ausführung dieses Volk, auch ohne sich mit anderen in Glaubenssachen zu vermischen, bald als ein gelehrtes, wohlgesittetes und aller Rechte des bürgerlichen Zustands fähiges Volk, dessen Glauben auch von der Regierung sanktioniert werden könnte, bemerklich machen•« So hat Kant Bendavids Ausführungen in der Schrift: »Etwas zur Charakteristik der Juden« verstanden. Den erst im Jahre 1800 gedruckten Vortrag: »Über den Unterricht der Juden« hat Kant bei der Abfassung seiner Schrift: »Der Streit der Fakultäten« (1798) noch nicht gekannt. In seinem Vortrag: »Über den Unterricht der Juden« macht B. seinen Glaubensgenossen den Vorwurf, daß von ihnen der Bibelunterricht zu sehr vernachlässigt werde. Darin hatte er vollkommen recht. In der Tat hat das Bibelstudium, das einst in Frankreich und Spanien bei den Juden zu so hoher Blüte gelangt war, in den Ländern des •Ostens die schlimmste Vernachlässigung erfahren. Das Verständnis für den schlichten Wortsinn der Schrift, für die unvergleichliche Schönheit der biblischen Poesie, für die belästigende Religionssätze kommen uns von der Geschichte, wenn man den Glauben an deren Wahrheit zur Bedingung der Seligkeit macht.« (Kants Werke XI, 1 S. 16).