Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 41 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
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Lazarus Bendavid. 41 Mittel bewirkt wird, als sie seit Mendelssohns Zeiten zugenommen hat und geschehen ist — nur dann läßt sich hoffen und mit Gewißheit voraussetzen, daß der Tag kommen wird, an dem die gewiß nicht vernachlässigten Geisteskräfte des Juden zu seiner Besserung, zum-Nutzen des Staates und seiner Mitbürger gereichen und ein Gott und nur ein Name der Gottheit wird angerufen werden. Bis dahin sei man tolerant« usw.1). Nicht uninteressant ist das Urteil Kants über Bendavids Reformgedanken, in denen er eine geistige Annäherung an das Christentum erblickt, besonders im Gegensatz zu dem harten Urteil, das er in dieser Beziehung über den von ihm sonst hochgeschätzten Mendelssohn fällt. Von dem Gegensatz zwischen Kirchen- und Reiigionsglauben ausgehend, erblickt Kant in dem allmählichen Übergang des Kirchenglaubens zur Alleinherrschaft des reinen Religionsglaubens das Ziel aller religiösen Entwicklung, der Annäherung des Reiches Gottes. Das Judentum aber ist für ihn, wie er unter dem Einfluß von Spinozas theologisch-politischem Traktat lehrt2), überhaupt keine Religion; es wolle vielmehr selbst nur eine staatlich-politische Gemeinschaft darstellen; denn es verzichte auf das, was das Wesen der Religion ausmacht, es verlange von seinen Bekennern keine sittliche Gesinnung, sondern nur die Erfüllung der statutarischen äußerlichen Formen und Satzungen seines Glaubens und sei darum trotz seines Monotheismus auf der Stufe des Heidentums stehen geblieben3). Die Erreichung des von ihm aufgestellten Zieles ist, wie er in seiner Schrift: »Der Streit der Fakultäten« ausführt, von einer dem Wesen der Religion entsprechenden Umgestaltung der äußeren Glaubensformen bedingt; sie ist nur dann zu erwarten, wenn die Förmlichkeiten des Glaubens unter Begünstigung der Regierung nach und nach der Würde ihres Zwecks, nämlich der Religion selbst, näher gebracht v) Philosophische Aufsätze vermischten Inhalts S. 131 f. 2) Vgl. Julius Guttmann, Kant und das Judentum S. 50 f. 3) Religion innerhalb der [Grenzen der bloßen Vernunft (Kants sämtliche Werke ed. Rosenkranz B. 10) S. 137 ff., S. 154 ff., Julius Guttmann a. a. O. S. 49.