Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 40 (sequence 15)
- Language
- German
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40 Lazarus Bendavid. Unterricht der Juden, den er am 18. Januar 1800 gehalten hat, spricht er sich ablehnend über die Taufe aus, aber doch in einer Tonart, der man es anmerkt, daß das kurz vorher (1799) veröffentlichte Sendschreiben David Friedländers an den Probst Teller nicht ganz ohne Eindruck auf ihn geblieben ist. Zuerst richtet er an seine Zuhörer die folgende Apostrophe: »Humane Männer und Frauen! Fordert von dem in seiner Erziehung so vernachlässigten Juden keine Riesenschritte; fordert von ihm nicht, daß er mit eins auf die Höhe springe, auf welche die Christenheit nur langsam und mit vieler Mühe gekommen ist. Seit der Geburt des menschenfreundlichen Gesetzgebers derselben, seit fast vollen achtzehnhundert Jahren wurde an ihr immer gebessert, wurde sie durch Umstände und Zufall immer veredelt; und seit fast vollen achtzehnhundert Jahren blieb der Jude stehen, wurde er durch Zufall und Umstände immer mehr herabgewürdigt.« Dann fährt er fort: »Freuet euch auch nicht, wenn einzelne Personen oder ganze Familien zum Christentum übergehen, oder sich öffentlich bekennen, den Glauben ihrer Väter verlassen zu haben. Zu verargen ist es ihnen nicht, daß sie die besuchte und freudige Kirche der verlassenen und traurigen Synagoge vorziehen und sich und ihre Kinder zu retten suchen. Aber gewonnen für das Ganze wird dadurch nichts, garnichts. Es sind Splitter, die man von einem unbehilfliehen Koloß scharf abschneidet; der Koloß, anstatt geschwächt zu werden, gewinnt dadurch an Stärke, weil der Riß, den der Splitter andeutet, nun nicht weiter greift. Nur von der alles verändernden Hand derZeit; nur wenn die Regierungen sich der Erziehung der Juden annehmen werden; nur wenn dem rechtschaffenen Juden Achtung als rechtschaffenem Menschen allgemein zu teil wird; nur wenn der aufgeklärte Jude gleichsam Märtyrer seiner Glaubensgenossen wird und dadurch Aufklärung verbreitet, daß er im Schoße seiner Kirche bleibt und auf die Vorteile verzichtet, die ihm aus dem öffentlichen Übergang zum Christentum entspringen; nur wenn der Zuwachs an Aufklärung unter den Juden in dem Maße zunimmt und durch eben die geräuschlosen