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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 1 · p. Seite 38

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 1
Article
Lazarus Bendavid
Date
1917-01-01
Page
Seite 38 (sequence 13)
Language
German
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38 Lazarus Bendavid. nicht dadurch eingreifen, daß sie ihre sinnlosen und auf jetzige Zeiten gar nicht mehr passenden Zeremonialgesetze abschaffen, wofern sie nicht eine reinere, dem Allvater würdigere Religion — die reine Lehre Moses unter sich festsetzen, sie notwendigerweise, selbst nach Annahme der Taufe, Indifferentisten und für den Staat schädliche Bürger sein werden1).« »Aber wie lange נ) Das S. 45. Im Übrigen ist es ihm mit der »reinen Lehre Moses« auch nicht so ernst; er nimmt vielmehr keinen Anstand, seine Anschauungen vom Judentum auch auf die Tora zu übertragen. So sagt er in der einer späteren Periode angehörenden Schrift: Zur Geschichte und Berechnung des jüdischen Kalenders, aus den Quellen geschöpft (Berlin 1817) S. 18, Anmerk.4. »Die übliche Benennung dieses Tages: »lange Nacht« hat gar keinen Sinn; aber auch wie die Vulgata, Luther und andere das Wort Iom Kippur durch Diem expiationis, Versöhnungstag übersetzen, ist nicht ganz richtig. Denn erstens führte er seinen Namen nicht bloß wegen der Auslösung der Menschen bei Gott, nicht bloß wegen der Versöhnung, sondern auch, wie wir gezeigt, wegen der beiden übrigen Auslösungen (Auslösung der Güter und Sklaven und Auslösung der Schulden). Zweitens aber mahnt das Wort versöhnen zu sehr an Sünde, welches ein Begriff ist, der in der jüdischen Staatsverfassung garnicht stattfinden konnte. In ihr war jedes Vergehen, Verbrechen usw. eine Schuld, wofür der Staatsbürger sein bürgerliches Dasein beim Priester als Gläubiger verpfändete, und von dem er das Pfand nicht eher herausbekam, als bis er es durch Strafe oder Opfer auslöste.« Das. »Zur Abmachung aller dieser Geschäfte des Tages verlangte der Gesetzgeber vom Volke eine Demütigung des Blutes.« Dazu Anmerkung 6. »3 Mose XXIII, 32. Die Talmudisten behaupten, es gebe keine Demütigung ohne Fasten, und daher ist dieser Tag einer der strengsten Fasttage der Juden. Wenn es aber auch wahr sein mag, daß die Menschen bis zur Kriecherei demütig tun, wenn sie nichts zu essen haben, so scheint doch der Psalmist (XXXV, 13) den Hauptsatz nicht zuzugeben, da er es für nötig erachtet zu sagen: ich habe mein Blut durchs Fasten gedemütigt.« B. war ein schlechter Exeget. Um seine vorgefaßten Meinungen aus der Schrift zu bestätigen, schrickt er auch sonst in seiner Interpretation vor keiner Vergewaltigung des Bibeltextes und vor keinem Verstoß gegen die Regeln der Grammatik zurück. Gegen die Interpretation der hier angeführten Bibelstellen hat schon M. B. Friedenthal Wider-

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