Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 37 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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Lazarus Bendavid. 37 andere zwingen, diese Vollkommenheit und dieses Unrecht anzuerkennen, und glaubt durch Wohltätigkeit am geschwindesten seinen Zweck zu erreichen. Er macht daher öffentliche milde Anstalten, stiftet Krankenhäuser, nimmt sich der bedrückten Unschuld an, und leistet in einem kleinen Zirkel aus diesem eben nicht sehr edlen Grunde nicht selten mehr Gutes als der wahre Menschenfreund aus edieren Gründen. Der Jude machte hierin keine Ausnahme. Der Reichtum, den er bald durch den gewissermaßen alleinigen Besitz des Handels erwarb, söhnte ihn freilich mit dem Menschengeschlecht im Ganzen nicht aus, aber da der reichere Jude behaglich genug lebte, um sich nicht mehr als Sklave zu betrachten, da ihm, seiner Frömmigkeit wegen, vom ärmeren geschmeichelt wurde, und er von diesem keine sonderliehe Beeinträchtigung zu befürchten hatte, so nahm er sich stets seines ärmeren Juden mit Eifer an. Stuhl, Bett und Leuchter fand der Arme stets im Hause des Reichen1)•« Die Wurzel alles Obels erblickt Bendavid, wie David Friedländer und die anderen Aufklärer, in dem jüdischen Zeremonialgesetz, das er für völlig veraltet und mit den Forderungen der Zeit für unvereinbar erklärt. So lange die Juden an ihm festhalten, ist für ihn eine Besserung in ihren äußeren und inneren Verhältnissen ausgeschlossen,2). Alle Reform versuche müßten zunächst auf die Abschaffung des Zeremonialgesetzes gerichtet sein, und die dahingehenden Bestrebungen sollten auch vom Staate begünstigt werden, der von dem schädlichen Einfluß, den das Zeremonialgesetz auf den Charakter der Juden ausübe, nicht unberührt bleibe. »Wofern die Juden in die mit ihnen vorzunehmende oder vorgenommene Reform 1j Das. S. 22. 2) Über die Stabilität der Juden sagt B. in den Beiträgen zur Kritik des Geschmacks S. 173: י Von einem Volke aber, das sich leider im Ganzen so ziemlich gleich bleibt, und noch manche Zeremonien gerade so wie vor tausend Jahren beobachtet, laßt sich vermuten, daß ihm auch der Gesang seiner Sprache einigermaßen von Vater auf Sohn vererbt worden sei.«