Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 36 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Lazarus Bendavid. 36 das er, von persönlichen Motiven geleitet, dem Judentum gegenüber beobachtet hat1). Nicht nur, daß Bendavid die angeblichen Fehler der Juden auf das Schärfste geißelt, auch ihre unbestrittenen Tugenden, wie z. B. den jüdischen Wohltätigkeitssinn, sucht er zu begeifern und aus den niedrigsten Beweggründen herzuleiten. Der Jude stand!nach ihm gegen seinen Mitjuden in einem dreifachen Verhältnisse: als Mitsklave, als Religionsverwandter und als Teilnehmer an dem ähnlichen Nahrungszweige. »Alle drei Verhältnisse konnten die Liebe der Juden zum Mitjuden eigentlich nicht vermehren. Als Mitsklave hatte er keine Achtung für ihn als Mensch; als Religionsverwandter kein Zutrauen zu ihm als Jude2), und als Mitkaufmann keine Freude an seinem Wohlergehen, weil er stets Abbruch zu leiden von ihm befürchtete. Der Wirkungskreis der Nächstenliebe zog sich, selbst unter den Religionsverwandten immer enger zusammen, schränkte sich nur auf Verwandten und Associerten und endlich auf sich selbst ein. Der Jude ward Egoist, und da der Christ ihn abstieß, da die Juden unter sich keine Anziehung fanden, ward er, was noch ärger ist als gehaßt — Menschenfeind oder vielmehr Menschen- Verächter3).« »Allgütiges, unerforschliches Wesen! Wie erhob er stets ^mein Herz zu dir, der Gedanke, daß du auf das größte Laster, Verachtung unserer Mitmenschen, die größte Tugend zu gründen verstandest — Wohltätigkeit. Der Menschenverächter, der als : Egoist von seiner eigenen Vollkommenheit und von dem Unrecht überzeugt ist, das ihm von anderen widerfährt, will auch 1) Vgl. M. Joel, Spinozas Theologisch-politischer Traktat (Breslau 1870) S. 2fg. Hermann Cohen, Spinoza über Staat und Religion, Judentum und Christentum im Jahrbuch für jüdische Geschichte und Literatur B. 18 (1915) S. 56—150. 2) Etwas zur Charakt. S. 18: »Jeder Mitjude, den er schon als Mitsklave verachtete, ward ihm nun jals Mensch verdächtig, der vielleicht nicht so eifrig wie er zur Versöhnung mit dem Schöpfer (nämlieh durch den Zeremonialdienst) beitrüge; jeder Mitjude wurde von ihm mit Argusaugen bewacht, und er mußte äußerlich religiös erscheinen, wenn man ihm glauben sollte, daß er es innerlich sei.« 3) Das. S. 20.