Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 61 (1917)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Lazarus Bendavid
- Date
- 1917-01-01
- Page
- Seite 35 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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Lazarus Bendavid. 35 aus dem Zeugnis Heinrich Heines hervorgeht, hat er auch im Kreise seiner Freunde große Wertschätzung genossen1). Und ein Mann wie Leopold Zunz hätte ihm nicht noch lange über seinen Tod hinaus eine so freundliche Gesinnung bewahrt2), wenn er ihn nicht seiner Achtung für würdig befunden hätte. Aber es erging ihm, wie es einem viel Größeren, wie es Spinoza ergangen war, dessen Charakterbild gleichfalls getrübt wird durch sein Verhalten, *) ln seinen Denkworten auf Ludwig Marcus (Heines sämtliche Werke Hamburg 1868 B. 14. S. 188) sagt er, wo er von dem Verein für Kultur und Wissenschaft des Judentums spricht, von Bendavid: »Ich kann nicht umhin, hier auch meinen lieben Bendavid zu erwähnen, der mit Geist und Charakterstärke eine großartig urbane Bildung vereinigte und, obgleich schon hochbejahrt, an den jugendlichsten Irrgedanken des Vereins teilnahm. Er war ein Weiser nach antikem Zuschnitt, umflossen vom Sonnenlicht griechischer Heiterkeit, ein Standbild der wahrsten Tugend, und pflichtgehärtet wie der Marmor des kategorischen Imperativs seines Meisters Immanuel Kant. Bendavid war Zeit seines Lebens der eifrigste Anhänger der Kantischen Philosophie, und dennoch wollte er sich nie trennen von der alten Gemeinde des mosaischen Glaubens, er wollte nie die äußere Glaubenskokarde ändern. Schon der Schein einer solchen Verleugnung erfüllte ihn mit Widerwillen und Ekel« usw. Minder günstig urteilt über ihn der allerdings noch jugendliehe Börne, der ihn als den eingebildetsten Gelehrten in der Welt bezeichnet. Briefe des jungen Börne an Henriette Herz (Leipzig 1861), S. 65. 2) Am 2. Februar 1851 brachte Zunz eine nachgelassene Schrift Bendavids: »Das Leben von Joachim Jungius« (Berühmter Mathematiker, Philosoph, Naturforscher und Schulmann, geb. 1589 in Lübek und gestorben 1657 in Hamburg) zuVarnhagen von Ense, der aber von deren Veröffentlichung abriet, da inzwischen eine Biographie Junges von Guhrauer erschienen war. (Varnhagens Tagebücher B. 8, S.45). Die Schrift ist im Nachlaß Bendavids, den Moritz Veit am.30. Dezember 1832 Zunz übergeben hat (Ludwig Geigers Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland B. 5, S. 262), und der sich jetzt im Zunzarchiv in Berlin befindet, noch vorhanden. Moritz Veit stand zu Bendavid in einem verwandschaftlichen Verhältnis. Die Familie Veits führte nach ihrer Übersiedelung nach Berlin von ihrem Heimatsort den Namen Witzenhausen (Vgl. Landshuth a. a. O. Nr. 8, S. 7), und dieser Familie gehörte mütterlicherseits auch Bendavid an (Landshuth Nr. 13, S. 10). 3