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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 1 · p. Seite 31

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 1
Article
Lazarus Bendavid
Date
1917-01-01
Page
Seite 31 (sequence 6)
Language
German
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Lazarus Benbavid. 31 nach der Stellung beurteilten, die er hier dem Judentum gegenüber bekundet. Die bis zur Gehässigkeit gesteigerte Erbitterung, mit der er sich an beiden Orten über das Judentum äußerte, ist wohl auf eine Kränkung zurückzuführen, die ihm in der Berliner Gemeinde widerfahren war, und der gegenüber sein philosophischei* Gleichmut nicht standgehalten hat. In seinem späteren Leben tritt uns eine solche Schroffheit in der Beurteilung des Judentums nicht mehr entgegen. Doch zum besseren Verständnis der vön ihm eingenommenen Stellung müssen wir etwas näher auf seine religiöse Entwicklung eingehen. Einem wenig bemittelten Elternhaus entstammend, hat er die bei den Juden jener Zeit allgemein übliche Erziehung genossen. Seinen jugendunterricht erhielt er in sogenannten Chedarim oder Talmudschulen, von deren Schrecken und pädagogischer Unnatur er in seiner Selbstbiographie eine anschauliche Schilderung entwirft. Auch noch in der Zeit, da er sich durch ein regelloses Lesen aller ihm zufällig in die Hand geratenen Schriften und dann unter der Anleitung eines Privatlehrers einiges andere Wissen angeeignet hatte, setzte er das Talmudstudium im Cheder fort. Seinen Eltern kam es demnach vornehmlich auf seine Unterweisung in der Religionsliteratur an; darin unterschieden sie sich nicht von ihren anderen Glaubensgenossen. Wenn er seinem Elternhause nachrühmt, daß in ihm freiere religiöse Anschauungen als bei den anderen Juden geherrscht hätten, daß »tausend und abertausend kleine Zeremonialgesetze, deren Übertretung von anderen Juden als die höchste Sünde gehalten wird, In ihm fast sogar dem Namen nach nicht^gekannt gewesen seien 1)«, so dürfte wohl sein späterer religiöser Standpunkt auf diese Dar- Stellung nicht ohne Einfluß geblieben sein. Als heranwachsender Knabe in der Zeit, da er der Barmizwa-Feier entgegenging, war er von einer schwärmerischen Frömmigkeit beseelt. In den Selichot- und den zehn Bußtagen stand er um 4 Uhr morgens auf, um an 1) Selbstbiographie (in Lowes: Bildnisse jetztlebender Berliner Gelehrten mit ihren Selbstbiographien Berlin 1806) S. 6.

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