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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 1
Article
Der Fremde ist der Feind
Date
1917-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 »Der Fremde ist der Feind«. bedrücken können. Es sind nicht bloß die körperlichen Leiden* wie Not und sklavische Behandlung, auf die jene Worte hinweisen* sondern auch und mehr noch die seelischen, Heimweh, Demütigung, Kränkung, Verspottung und Beschimpfung. Ursprünglich ist es also die Fremde, die hauptsächlich im Zusammenhang mit der Kampfesweise der alten Völker Schrecken und Abscheu erweckt. »Und aus riß sie der Ewige« — heißt es im 5 B. Mos. 29.27 von dem Volke Israel — »aus ihrem Erdreich in Zorn und Grimm und großer W ut, und schleuderte sie in ein anderes Land wie heutigen Tags.« Dieses Wegschleudern eines ganzen Volks in ein anderes Land ist wohl der plastischste Ausdruck für ^4ie Fremde und das abgrundtiefe Elend, das sich die Alten darunter vorstellten. Auf dieser Anschauung ist im Altertum der ganze Begriff des Fremden aufgebaut, sie übertrug sich auf alles Fremde, auch auf die fremde Sprache. »Ein Volk, dessen Sprache du nicht verstehst«, ist in der Bibel (5 B. Mos. 28, 40) ein Volk, das die Griechen aus demselben Grunde ein barbarisches nannten, das aber in der Bibel (das.) näher beschrieben wird als »ein Volk frechen Angesichts, das nicht den Blick zuwendet dem Greise, und dem Knaben nicht gnädig ist« Ist es nun nicht wie ein Widerhall aus dem Altertum, oder wie ein unbewußter Atavismus zu betrachten, wenn wir unter dem Einfluß des jetzigen Weltkrieges das Fremde wieder mit den Augen des Widerwillens und Abscheus betrachten und infolgedessen den in unsere Sprache eingedrungenen Fremdwörtern den Krieg bis aufs Messer erklären? »Der Fremde ist der Feind« — das ist wieder der alte Feldruf, der aus den tiefsten, längst verschütteten Abgründen unsers Innern erweckt wird, und es wäre ein Glück, wenn er seine Gewalt nicht weiter als auf die fremden Wörter erstreckte. Aber wir müssen die Sache auch von der Kehrseite betrachten. Wo Schatten ist, da ist auch Licht. In der Geschichte wie in der Natur regelt sich alles von selbst. Es vollzieht sich ein fortwährender Ausgleichsvorgang, wie ihn die abwechselnden Tages- und Jahreszeiten darstellen. Aus dem abschreckenden Eindruck, den im Altertum alles mit dem Begriff des Fremden Verbundene

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