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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1917-01-01 · Heft 1 · p. Seite 2

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
61 (1917)
Issue
Heft 1
Article
Der Fremde ist der Feind
Date
1917-01-01
Page
Seite 2 (sequence 2)
Language
German
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2 »Der Ffemde ist der Feind«. erneuernden Kampfes gegen die Fremdwörter zu suchen, und unter welchem Gesichtspunkt dieser Kampf berechtigt ist. Da die Fremdwörter keinen Paß mit sich führen, wie er jetzt von den Reisenden verlangt wird, so ist es nicht immer eine leichte Sache, phre »Identität« festzustellen. Genau genommen sind alle Fremdwörter Lehnwörter, nur daß die einen ihre ursprüngliche Form ganz oder beinahe beibehalten, die anderen sie mehr oder weniger verändert haben. Das Wort Kapital ist ein Lehnwort der ersteren Art, und wer nur einmal durch eine Lateinschule gegangen ist, weiß, daß;es vom lateinischen caput kommt. Aber auch däs Wort Haupt kommt von caput, wenn man es ihm auch nicht mehr gleich ansieht, denn es hat nach dem Gesetz der Lautverschiebung den Buchstaben C in H verwandelt. Was ist nun da zu machen? Gleiches Recht für Alle! Beide Wörter als Fremdwörter aus der deutschen Sprache auszuschließen, ist unmöglich, denn welcher Deutsche würde sich dazu verstehen, sein Haupt auf dem Altar der Fremdwörteropferung niederzulegen? Also den umgekehrten Weg einschlagen! Man müßte das Fremdwort Kapital verdeutschen und dafür Hauptgut setzen, wie unsere Vorfahren im Mittelalter in der Tat gesagt und geschrieben haben. Aber auch dieses Verfahren wäre verfehlt, denn das Hauptgut heißt so bloß im Unterschiede von den Zinsen, woran wir bei dem Worte Kapital keineswegs immer denken. Denn in Sätzen wie: der Bau dieser Eisenbahn erfordert ein großes Kapital, oder: er lebt von fremdem Kapital, wird nur an Geld, nicht aber an Zinsen gedacht. Ich führe!dieses Beispiel nur an, um zu zeigen, daß wir, wenn wir allen deutschen Wörtern so zu sagen die Haut vom Leibe ziehen wollten, am Ende Gefahr liefen, infolge eines unnachsichtlichen Ausrottungskrieges gegen die Fremdwörter sprachlos zu bleiben. : Die Beschäftigung mit fremden Sprachen bringt es mit sich, daß wir fremde Wörter gleichsam als Einfuhrartikel in die eigene herubernehmen. Sollten wir wegen dieser Gefahr das Studium fremder Sprachen aufgeben? Luther war gewiß ein guter Deutscher, unsere Schriftsprache verdankt ihm seine Entstehung, aber er hat

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