Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 77 (sequence 4)
- Language
- German
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Kurze Mitteilungen. 77 bloß die Namen zu nennen, die mir ungesucht im Augenblick gerade einfallen: Bacher, Barth, Chajes, Ehrlich, Fürst, Geiger, Graetzy jos. Halevy, Herzfeld, Hirsch, Hoffmann, Jakob, Jampclr Krauß, Abr.Krochmal,Lambert, Luzzatto, Maybaum,D.H.Mül!er, Sachs, Harald Wiener und Zunz. Ich dächte, daß deren mannigfache Leistungen sich immerhin einigermaßen sehen lassen können. Im übrigen ist auch bei den Protestanten nicht alles, was auf diesem Gebiet gedruckt wird, gediegenes Metall. Das Urteil, das der verstörbene Stade vor etwa 30 Jahren in seiner Geschichte Israels (S. 42,. Anm. 2) abgegeben hat, daß *die Gerechtigkeit es erfordert, zu bemerken, daß in neuerer Zeit auch von protestantischen Theologen sehr viel Makulatur über das alte Testament erzeugt wird«, wird gewiß heute noch von manchem unbefangenen Forscher geteilt. Und Gunkel hat sicherlich recht, wenn er im Artikel über Wellhausen in *Religion in Geschichte und Gegenwart« (V, S. 1188f.) feststellt, daß dessen Schule mittlerweile alt und unproduktiv geworden sei, und daß die Jüngeren und Jüngsten sich damit begnügen, das längst Gesagte immer von neuem zu wiederholen. Zwar ist, was Johannes Lepsius im »Reiche Christi« im Jahre 1903 prophezeit hat, »daß in 10 Jahren von dem stolzen Bau dieser [der Wellhausenschen] Hypothese kein Stein mehr auf dem andern sein wird«, noch nicht in Erfüllung gegangen. Aber schon sieht man fallen Blatt auf Blatt, und man wird heute bereits mit einem gewissen Maß von Berechtigung, unter Benutzung eines charakteristischen Ausspruchs des verstorbenen Kautzschו), sagen dürfen: Wer heute noch an der Behauptung iesthält, daß die Vierzahl und der besondere Charakter der Hauptquellenschriften mit unwiderleglichen Gründen aus der verschiedenen Anwendung der Gottesnamen und aus dem abweichenden Sprachgebrauch erwiesen sei, wer es heute noch für unumstößlich hält, daß das Deuteronomium in die Zeit des Josia gehöre und der Priesterkodex jünger als das Exil sei, kann dies nur aus einem von zwei Gründen tun: entweder aus Unbekanntschaft mit dem wahrhaften wissenschaftlichen Tatbestand, oder aus dem ein für allemal gefaßten Entschlüsse, sich durch keine Gewalt logischer Schlüsse in dem Festhalten an längst widerlegten dogmatischen Vorurteilen beirren zu lassen. Allein alle hier vorgetragenen abweichenden Meinungen treten zurück vor dem Maße von Dankbarkeit, das wir Herrn Prof. Staerk schuldig sind für die unerschrockenen, beredten und begeisterten Worte, mit denen *) Die hl. Schrift des AT.? I, Beigaben, S. 151.