Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 78 (sequence 5)
- Language
- German
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8 ד Kurze Mitteilungen. er für die völlige Gleichberechtigung unserer Sonderwissenschatt ein־ tritt. »Ihre volle Anerkennung«, sagt er (S. 408) »wird erst in dem »Augenblicke ausgesprochen sein, wo die Wissenschaft vom Judentum »wenigstens an einer der deutschen Hochschulen eine selbständige »Vertretung gefunden hat. Mit bloßer Angliederung an eine bestehende »theologische oder orientalische Lehrstelle ist ihr ganz und gar nicht »gedient, weil die Aufgaben, die sie zu bewältigen hat, nicht sozusagen »im Nebenamt erledigt werden können, und weil das nichtihrer Bedeutung »im Gesamtorganismus der Wissenschaften entsprechen würde. Man ist »ja auch längst darüber hinaus, Romanistik oder Anglistik oder etwa »irgend eins der neueren medizinischen Arbeitsgebiete einem Vertreter »der alten zur Universitas literarum gehörigen Disziplinen zu übertragen. »Eine Anzahl von Männern in akademischen Ämtern hat, wie wir »hören, mitten in der Unruhe des Weltkrieges dem preußischen Kultus- »minister die Bitte vorgetragen, demnächst einen Lehrstuhl für jüdische »Wissenschaft zu begründen, etwa in der philosophischen Fakultät der »jüngsten unserer Hochschulen, Frankfurt a. M. Wir zweifeln nicht »daran, daß dieses zeitgemäße Gesuch das volle Verständnis der »Regierung finden wird, und daß sie alsbald auch für'diese neue Kultur- »aufgabe Mittel zur Verfügung stellen wird«. Da Herr Prof. Staerk auf einer öffentlichen Lehrkanzel steht und in den allerweitesten Kreisen als ein maßgebender Beurteiler gilt, so werden seine Worte, hoffen wirs, die verdiente Beachtung finden, die alle seit Jahrzehnten von Juden ausgegangenen Eingaben, Vorstellungen und Bitten bisher vergeblich angestrebt haben 1). Hat aber seine Rede den von uns herzlich gewünschten Erfolg, dann wird es am Ende in absehbarer Frist einen Reichtum an Christian rabbis geben, wie der selige Joh. Lightfoot einer gewesen ist, und noch dazu an solchen* die mit der auf anderen Gebieten glorreichen Marke macle in Germany sich die wissenschaftliche Welt erobern und das Gespött und Gelächter wett machen, dem die Herren Beer und Holtzmann mit ihrer Talmud- Weisheit2) die deutsche Wissenschaft preisgegeben haben. [1] M. Brcmn. a) Vgl. z. B. die Antwort des Ministers Ladenberg an Zunz, d. d. 4. Dezbr. 1848, mitgeteilt in den MS. 1907, S. 654 ff. 2) Vgl. Aptowitzer in der MS. 1913, S. 1 ff. 12g ff. 273ff., Jahrg. 1914, S. 386 ff. Bacher, Deutsche Literaturzeitung 1912, Nr. 52. Lai bl e, Theol. Literaturblatt 1913, Nr. 1. Strack a. a. O. 1912, Nr. 21. Staerk im Lit.-Bl. der Frankfurter Zeitung vom 23. Febr. 1913, Nr. 54, S. 7 und Vogelstein in der Orientalistischen Literaturzeitung 1912, S. 344.