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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 1 · p. Seite 76

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 1
Article
[Ohne Titel]
Date
1916-01-01
Page
Seite 76 (sequence 3)
Language
German
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76 Kurze Mitteilungen. noch Graetz, noch sogar Zunz sich jemals an die Lösung dieser Aufgäbe, die über ihre Kraft ging, hinangewagt hätten, obgleich jeder von ihnen bekanntlich viele vortreffliche Beiträge dazu geliefert hat. Gern und neidlos gönne ich ihm und dem theologischen Nachwuchs der Wellhausenschen Schule ganz, wie er es wünscht, die Fortsetzung der radikalen, rein subjektiven und einseitig zersetzenden Hexateuchkritik•1} als Spezialdomäne2). An dem, in unsern Augen herostratischen Unter• nehmen, unsere ehrwürdigen Altertümer ihres eigenartigen Charakters zu entkleiden und der Darstellung unserer Vergangenheit, wie sie in den Büchern Moses und der Propheten vorliegt, in Bausch und Bogen die geschichtliche Glaubwürdigkeit abzusprechen, haben wir uns im großen und ganzen nie beteiligt. An der Bibelforschung selber freilich haben wir zu allen Zeiten, Geschlecht für Geschlecht, mit einer Aufopferung und Hingebung, die ihresgleichen in der ganzen Welt der Wissenschaft nicht hat, gearbeitet. Denn die Worte der Gotteslehre sind, wie wir täglieh bekennen, unser Leben, sind die Gewähr für die Dauer unserer Tage, und in ihnen sinnen und forschen wir Tag und Nacht. Welche reichen Schätze von Belehrung aus den Ergebnissen dieser unausgesetzten Studien zu schöpfen sind, wird die wissenschaftliche Welt erst erfahren, wenn eine, den Anforderungen der modernen Wissenschaft entsprechende gründliche und gediegene Geschichte unserer exegetischen Literatur geschrieben sein wird. Auch an der modernen Bibel- Forschung nach den neuen wissenschaftlichen Methoden, und zwar keineswegs bloß nach der positiven, sondern auch nach der Sprachwissenschaft־ liehen, exegetischen, text- und literarkritischen Seite hin haben wir uns ungleich fleißiger, als man gemeinhin annimmt, beteiligt. Ich brauche x) Eduard Meyer ist zwar bereits vor zwanzig Jahren (die Entstehung des Judentums, S. 216) dem Hexateuch-Unfug, mit dem von ihm wohl begründeten Nachweis entgegen getreten, daß »es niemals ein Buch Hexateuch als literarisch selbständiges Werk gegeben hat«. Nichtsdestoweniger wagt es m. W. noch heute Jceän richtiger protestantischer Alttestamentler, sich wieder als einen Pentateuch-Forscher zu bekennen. 2) Im übrigen gehört Herr Prof. Staerk bekanntlich zu der besonneneren Observanz der evolutionistischen Schule. Denn er gibt auch im vorliegenden Aufsatz zu, daß »in Mose und seinem Werke, mit ״clem er den Grundstein zu der Welt höchster geistiger Werte gelegt hat, das Irrationale in die Geschichte hineinragt«, und daß »er für die analysierende Forschung ein Geheimnis bleibe« (S. 412).

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