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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 1 · p. Seite 75

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 1
Article
[Ohne Titel]
Date
1916-01-01
Page
Seite 75 (sequence 2)
Language
German
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Kurze Mitteilungen. 75 (S. 414) vermißt und offenbar noch immer nichts von den grundlegen־ den Forschungen Zacharias Frankels über den Ursprung und die Entwicklung der Halacha gehört hat, die seit einer Reihe von Jahrzehnten in vielgerühmten Büchern vorliegen und jedem jüdischen Wissenschaftler bekannt und geläufig sind, und gewiß auch noch niemals die von J. H. Weiß verfaßte fünfbändige historisch-kritische Geschichte der Halacha in der Hand gehabt hat, deren letzter Band vor gerade einem Vierteljahrhundert zum ersten Mal in die Welt gegangen ist. In diesem Punkte entlastet ihn, da diese Bücher hebräisch geschrieben sind, wirklieh der bewährte Grundsatz seiner Zunft: rabbinica sunt1), non leguntur. Es verschlägt auch nichts, ob seine Meinung richtig ist, daß gerade Abraham Geiger wirklich »der gegebene Mann« gewesen wäre* um eine Entwicklungsgeschichte des biblischen und talmudischen Judentums in wissenschaftlicher Begründung zu schreiben. Denn wir alle, die wir unsere Geisteshelden intimerkennen und, wie mir scheint, richtiger zu bewerten wissen, können bezeugen, daß weder Geiger* ף In diesen ungeheuer großen Topf fallen reichlich JI/t2 der jüdischen Literatur. Hier nur ein kleines Pröbchen für die Strenge* mit der der Grundsatz heute noch gehandhabt wird. In einer Berner Doktordissertation vom Jahre 1912 liest man S. 6f: »chlk raschin [1. Teil]« als Wiedergabe von חלק ראשון, drei Zeilen weiter »schirat schomajim [himmlische Lieder]« als Wiedergabe von יראת שמים, d. h. Gottesfurcht, und abermals acht Zeilen weiter: »gdal zdoko [großes Verdienst]« als Wiedergabe von מאל צדק, d. h. der wahrhaftige Erloser, und derartige Sächelchen. Als Aufdruck trägt das Heft die Worte: »Von der philosophischen Fakultät auf Antrag der Herren Professoren.angenommen. Bern, 1. März 1912. Der Dekan: Professor Dr. K. Marti. Wenn solches am grünen Holze usw. Wenn solches, meine ich, dem hochangesehenen Gelehrten passiert, der unseren Propheten mit überlegenem Sprach- und Sachverständnis ihre hebräischen Redeübungen zensiert, מה יעשו אזובי הקיר (b. Moed katon 25 b. Die Protestanten, die etwa diese Worte nicht verstehen, wollen gütigst z. B. Franz Delitzsch, »Wissenschaft, Kunst, Judentum« (Grimma, 1838) S. 231 nachschlagen). Die Ehrfurcht vor überragenden Kenntnissen auf diesem Gebiet ist offenbar in seinen Kreisen so groß, daß Herr Prof. Staerk kurzerhand den christlich-germanischen Herrn Laible, der im wohlbegründeten Ruf solcher Gelehrsamkeit steht, in eine Judengeseilschaft hineinschiebt (S. 408).

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