Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- [Ohne Titel]
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 74 (sequence 1)
- Language
- German
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74 Kurze Mitteilungen. Als die ״religionsgeschichf liehe Kommission in Göttingen^ mir vor etwa zwei Jahren ihren Arbeitsplan zuschickte, habe ich daran im Mai-Juni-Heft des Jahrgangs 1914 (S. 275—280) einige kritische Bemerkungen geknüpft Ich schloß damals mit den Sätzen: »Als am Ende des vorigen Jahrhunderts Erich Bischoff in seiner »kritischen Geschichte der Talmud-Übersetzungen aller Zeiten und Zungen« zu den Vorarbeiten einer Talmudiibersetzung das runde Sümmchen von einer Million für erforderlich hielt und meinte, daß deren Hergabe für das Reich eine »Bagatelle« sei, habe ich mich im Jahrg. 1900, S. 287 ziemlich abfällig über seine Hoffnungsfreiidigkeit geäußert. Vielleicht ist heute darin wirklich ein Wechsel und Wandel eingetreten. Vielleicht werden in der Tat die neuen Hochschulen, die von den städtischen Gemeinwesen in Frankfurt und in Hamburg demnächst ins Leben gerufen werden sollen, eine unbefangenere Würdigung der Wissenschaft des Judentums anbahnen und der akademischen Jugend die Gelegenheit geben, nicht nur, wie jetzt schon, das Wissenswerteste über Tungusen, Botokuden und Bantu-Neger und deren Verdienste um den Fortschritt der Menschheit ,an den deutschen Hochschulen zu erfahren, sondern auch etwas über die Leistungen der Juden für die Kulturgeschichte zu lernen«. Daß meine Äußerungen in dem bald darauf ausbrechenden Weltgetiimmel ungehört verhallt sind und kein spruchbefugter Gelehrter meiner Aufforderung, weiter in der Angelegenheit das Wort zu ergreifen, gefolgt ist, hat mich nicht Wunder genommen. Um so ertreulicher ist es mir, daß soeben Herr Professor Wilhelm Staerk in seiner Abhandlung über »das Judentum als wissenschaftliches Problem« dieselbe Angelegenheit, und zwar zu demselben Zwecke im »Neuen Merkur« (2. Jhrg., Heft 10, S. 407—20) zur Sprache bringt. Es kommt dabei garnicht darauf an, ob nicht etwa doch Zunz1) oder Steinschneider2) gründlicher und gediegener als Herr Prof. Staerk die Wissenschaft des Judentums oder, wie Herr Staerk sagt, die »Wissenschaft vom Judentum« systematisiert und charakterisiert haben. Es fällt auch nicht sehr ins Gewicht, daß er heute noch »eine befriedigende wissenschaftliche Geschichte der talmudischen Literatur« 1J Zunz, Zur Geschichte und Literatur, S. 1 ff. Gesammelte Schriften!, S. 1 ff. 101 ff. 134 ff. 2) Steinschneider in Ersch und Grubers Encyklopädie, 2. Sektion, ßd. 27, S. 357 ff.