Mannheim
Compact Memory

Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 1 · p. Seite 60

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 1
Article
Die Eheziffern der Berliner jüdischen Gemeinde während des ersten Kriegsjahres
Date
1916-01-01
Page
Seite 60 (sequence 2)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2829132-2829873-2829875-2847625--42009-2847685
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

60 Die Eheziffern d. Berl. jüd. Gemeinde währ. d. erst. Kriegsjahres. «inen Erzeuger der neuen Generation; mit den Hunderttausenden, deren Leichen die Schlachtfelder bedecken, ist die Nation um ebensoviele zeugungsfähige Männer verringert, deren Verlust notwendig zu einer Abnahme der Geburten führen muß. Diese Gefahr wird um so drohender, als junge, kinderlose Männer im Alter von 20 bis 25 Jahren, die von dem Schlachtenblei hinweggerafft werden, besonders betroffen werden. Ist doch bei den Völkern mit allgemeiner Wehrpflicht die Wahrscheinlichkeit, im Kriege zu fallen, am größten für die jungen und jüngsten Krieger. Denn aus diesem Lebensalter rekrutiert siclh in der Hauptsache die aktive Mannschaft. Die aktiven Soldaten aber bilden die Kerntruppen des Heeres, die nach Lage der Dinge in erster Linie zu den schwierigsten und gefahrvollsten Leistungen herangezogen werden, und deren Leben besonders stark bedroht ist. Aber der Tod sovieler zeugungsfähiger Männer ist nicht die einzige biologische Ursache für eine zu erwartende Geburtenverminderung. Sebst bei vielen aus dem Kriege zurückkehrenden Männern kann die Zeugungsfähigkeit infolge einer Reihe von Krankheiten, die als Begleiterscheinung des Krieges auftreten, herabgemindert sein. Schließlich hat auch der Krieg an die Männer, die von Krankheiten verschont geblieben sind, derartige Anforderungen gestellt, daß die meisten von ihnen eine leichtere oder schwerere Herabminderung ihrer Gesundheit und Lebenskraft erfahren, was auf den Nachwuchs ungünstig einwirken muß. Zu den biologischen Ursachen treten die sozialen, deren Schwergewicht bei Beurteilung der Volksvermehrung nicht zu unterschätzen ist. Durch den Krieg ist das Eindringen der weiblichen Bevölkerung in die Beschäftigung von Männern weiter gefördert worden. Die Konkurrenz, welche die Frau vor dem Kriege auf dem Arbeitsfelde dem Manne gemacht hat, wird in erhöhtem Maße nach dem Kriege bestehen bleiben und die wirtschaftliche Lage des Mannes und seine Lust, einen Hausstand zu gründen, nicht stärken. Der Krieg hat in allen Ländern Riesensummen verschlungen. Milliardenanleihen sind aufgenommen; deren Tilgung und Verzinsung wird bei jedem Land, selbst dem

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.