Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Eheziffern der Berliner jüdischen Gemeinde während des ersten Kriegsjahres
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 61 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2829132-2829873-2829875-2847625--42010-2847686- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Die Eheziffern d, Berl. jtid. Gemeinde wahr. d. erst. Kriegsjahres. 61 siegenden, ein Anziehen der Steuerschraube bedingen, wodurch die wirtschaftliche Lage des Einzelnen geschwächt wird. Der Krieg hat alte Handelsbeziehungen zerstört, die erst wieder neu gewonnen werden müssen; kurz in den ersten Jahren nach dem Kriege werden viele Schwierigkeiten in der wirtschaftlichen Lage zu überwinden sein. Mit der Versteifung der wirtschaftlichen Verhältnisse pflegt im allgemeinen eine Herabminderung der Ehe״ Schließungen und der Geburten Hand in Hand zu gehen, sodaB auch soziale Gründe an der Unterbindung der Bevölkerungs״ erneuerung mitwirken können. Die Vorbedingungen für eine stark einsetzende Volkserneuerung nach dem Kriege, die nur im Interesse des gesamten deutschen Volkskörpers gewünscht werden kann, sind nicht allzuviel versprechend. Für die Gemeinschaft der Juden in Deutschland sind sie geradezu trostlos, und die Entwicklung der Berliner Jüdischen Gemeinde nimmt einen drohenden Charakter an. Die Judenschaft in Deutschland hat schon seit 1871 mit der Zunahme der Gesamtbevölkerung nichtgleichen Schritt gehalten. Im Jahre 1871 betrug ihr Anteil noch 1.25 Prozent und ist sukzessive nach den Ergebnissen der Volkszählung von 1910 auf 0.95 Prozent zurückgegangen. Wie sollen sich aber die Verhältnisse in den jüdischen Bevölkerungskreisen nach dem Kriege gestalten, wenn neben den allgemeinen Ursachen, diezujeinem Bevölkerungsniedergang führen können, noch spezielle, das gedeihliche Wachstum des Judentums hindernde, hinzu״ treten? Die Juden wohnen gegenwärtig zumeist in Großstädten Deutschlands; in den letzten 20—30 Jahren vollzog sich ein Aufsaugungsprozeß der jüdischen Bevölkerung durch die großen Städte — besonders durch Großberlin. In Berlin und seinen Vororten wohnen über ein Viertel aller deutschen und über ein Drittel aller preußischen Juden. Jeder dritte oder vierte deutsche Jude gehört der großen Berliner jüdischen Gemeinde an, und dieses Zahlenverhältnis macht es erklärlich, weichen Einfluß die Entwicklung der jüdischen Gemeinde Berlins auf die Bevölkerungsbewegung der Gesamtjudenheit in Deutschland ausüben muß und kann. An der Hand der Berliner Statistik können wir bis in die