Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Eheziffern der Berliner jüdischen Gemeinde während des ersten Kriegsjahres
- Date
- 1916-01-01
- Page
- 59 (sequence 1)
- Language
- German
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Die Eheziffern der Berliner jüdischen Gemeinde während des ersten Kriegsjahres. von Julius Rothholz Nach dem Kriege werden die jetzt im Gebrauch befindlichen Atlanten veraltet sein, die Grenzen der einzelnen Länder werden größere oder kleinere Verschiebungen erfahren, und nicht nur das alte Europa, auch Asien und Afrika können dabei in Mitleidenschaft gezogen werden. Aber abgesehen von den territorialen Veränderungen wird der Krieg auch die Bevölkerungszahl der Kriegsländer beeinflussen. Denn nie hat die Menschheit dieser Erde einen größeren Kriegais den heutigen gesehen, nie hat die männermordende Schlacht soviele Opfer gefordert, als der lange, fast über die ganze Kulturwelt sich ausbreitende Weltenbrand. Die Furcht, daß mit diesem Kriege ein allgemeiner Bevölkerungsniedergang bei Europas Völkern ein• treten kann, ist nicht ganz unbegründet und läßt sich sowohl auf biologische Ursachen, wie auf solche sozialen Ursprunges, oder auf das gleichzeitige Zusammenwirken beider zurückführen. Von biologischem Gesichtspunkt aus tritt der große Männerverlust in den Vordergrund. Es kommt nicht darauf an, ob wir die Zahl der gefallenen Deutschen um hundertausend höher oder niedriger einschätzen. Selbst der Verlust einer Million Menschen durch den Tod, die sich aber auf alle Altersklassen des deutschen Volkes verteilen, würde zwar momentan ein nationales Unglück bedeuten, aber in kurzer Zeit bei der Bevölkerungszunahme des deutschen Volkes seinen Ausgleich finden. Die Hauptgefahr eines Bevölkerungsniedergangs liegt gegenwärtig in dem großen Verlust an Männern, die den Altersklassen von 18 bis 45Jahren angehören. Mit jedem Mann, der auf dem Schlachtfelde den Heldentod stirbt, verliert sein Land