Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Wiederherstellung der Kommentare Ibn Esras zu den Büchern Jeremias, Ezechiel, Sprüchen Salomos, Esra, Nehemia und Chronik
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 55 (sequence 15)
- Language
- German
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Die Wiederherstellung der Kommentare Ibn Esras. 55 springt des Gedankens Blitz, nicht das Bild der Phantasie hervor.« So charakterisiert bereits Zunz *) mit Recht seine Poesie. In den Widmungsgedichten ist der Stil überschwenglich und schwülstig, nach echt orientalischer Sitte; an manchen Stellen sogar geschmacklos und abstoßend. Nicht besser steht es um seine lyrischen Gedichte; die innere Wärme, die Innigkeit des Gefühls fehlt ihnen. Die Bilder sind äußerlich, ohne die beseelende Leidenschaft, die den Leser in eine höhere ideale Welt versetzt. IE. besaß nicht die Macht des schöpferischen Dichters, der den Daseinsformen den Zauber einer göttlichen Schönheit verleiht und den toten Worten die tiefe Wirkungskraft gibt. Man empfängt beim Lesen seiner Gedichte den Eindruck, als ob ihm der Inhalt Nebensache und nur das Grammatische und Metrische die Hauptsache wären. Nur wenige von vielen Stellen seien hier als Beweis angeführt. R. I, N. 63 beschreibt IE. eine stürmische Seefahrt; nichts findet man darin von der Schönheit der See, vom Sturm, von der tiefen Erregung gegenüber der Gefahr; es enthält nichts weiter als ein Zwiegespräch zwischen dem Dichter und der See, das einerseits philosophischeGedänken enthält,z.B.S.30: ובכתבו בך לבוא צוני, ובראשית קץ השית אל אוני. גם קצים נחרצים מי יניא, בהכינו שטים שם אני; andererseits geschmacklos verläuft: V. 39 spricht die See zu ihm זכור דגים תענוגים אכלת /בלי שכל תאכל גם אתה. R. I, N.64 schildert der Dichter den Wechsel der streitenden Jahreszeiten; aber nichts von der Pracht und Herrlichkeit des Frühlings und der anderen Jahreszeiten enthält dieses Gedicht, sondern nur eine dialektische Auseinandersetzung darüber, welche von ihnen dem Menschen am nützlichsten sei. R. I, N. 68 schildert die Sehnsucht eines getrennten Liebespaares. Der Stil ist trocken und banal. V. 15 z.B. sagt sie מרעיו מכל עברים לו יאתיו למצא לצירים צרי בעת יחליו. So wird der Geliebte geschildert. Oder ein anderes Bild: לו יחדו יורדי שאול תארו ויפיו היו. Aber auch die gottesdienstliche Poesie ist nicht schwungvoller. Die Dichtungen sind weniger Gebete als Betrachtungen über 3) Literaturgesch. der synag. Poesie, S. 207.