Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Wiederherstellung der Kommentare Ibn Esras zu den Büchern Jeremias, Ezechiel, Sprüchen Salomos, Esra, Nehemia und Chronik
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 53 (sequence 13)
- Language
- German
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Die Wiederherstellung der Kommentare Ibn Esras. 53 literar-historisch von größter Bedeutung ist1). Auf die Einzelheiten komme ich noch zu sprechen. Nr. 65 ist ein Gedicht an den verstorbenen Freund Jehuda ha-Levi: die Gestalt Jehuda ha- Levis soll ihm im Traume erschienen sein und ihn aufgefordert haben, aus dem Leben zu scheiden, um gemeinschaftlich die Engelscharen durch ihre Gedichte zu erfreuen; darauf antwortete IE., daß er daran noch nicht denke, er möchte vielmehr noch das Leben genießen und nicht mit ihm an der Himmelskost teilnehmen; er sei zwar sehr betrübt über des Freundes Tod, doch nicht so sehr, um darum nunmehr auch selbst freiwillig aus dem Leben zu scheiden. Die Auffassung Kampfs2), daß dieses Gedicht eine Ablehnung darstelle, an der Auswanderung Jehuda ha-Levi’s nach Palästina teilzunehmen, ist unbegründet. Ebensowenig gibt es einen Anlaß, an der tiefen Trauer, die IE. über den Verlust seines Freundes empfunden hat, zu zweifeln 3). Es ist entweder eine Art Scherzgedicht oder gar nur eine Anpreisung seiner eigenen Gedichte, die so schön seien, daß sie selbst die Engel erfreuen könnten. In Nr. 78 ist der Streit der Sinne geschildert; das Gedicht ist zum Lobe R. Menachems und seines Sohnes Moses verfaßt. Dieser R. Menachem ist nach Zunz4) R. Menachem, der Leiter eines Lehrhauses in Rom war und von Benjamin v.Tudela in seinen Reisebeschreibungen genannt wird5). Von dem an R. Tarn gerichteten Gedicht (Nr. 83) wird noch weiter die Rede sein. Nr. 85 ist ein Spottgedicht, Nr. 87 ein Gesundheits-Kalender; IE. gibt darin hygienische Vor- Schriften an und zählt die Speisen auf, die nur in bestimmten Monaten gegessen werden dürfen. Nr. 88 ist ein Lehrgedicht über das Schachspiel. Die anderen sind mit Ausnahme von ganz kleinen Gedichten im Diwan enthalten. Von den 28 liturgischen Gedichten des zweiten Teils sind neun im Diwan enthalten; die x) s. Graetz VI, 441. 2) Kämpf, Nichtandalusische Poesie, I, 226. 3) s. Rosin I, S. 107, A. 3. 4) s. bei Asher, Itinerary of R. Benjamin, S. 20 u. Rosin I, S. 126, A. 9. מסעות ף, s. n, ed. Asher.