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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1916-01-01 · Heft 1 · p. Seite 25

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
60 (1916)
Issue
Heft 1
Article
Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion
Date
1916-01-01
Page
Seite 25 (sequence 7)
Language
German
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Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion. 25 die zu Gott hinführten. Es habe also schon in der semitischen Urzeit religiöse Vorschriften und Bräuche (vgl. bereits Nachmanides zu Gen. 2g, 27) gegeben, welche die Thora übernommen und mit einer spezifisch israelitischen Begründung versehen habe. So habe es z. B. nach Gen. 2,3 schon seit den Tagen der Weltschöpfung den Sabbat gegeben. Im Mannakapitel (Exod. 16,23) wird er darum mit Recht als bekannt vorausgesetzt. Erst im Dekalog aber erhalte er seihe spezifisch israelitisch-historische Motivierung. Mit dem babylonischen Sabbat sei er schon aus kalendarischen Gründen nicht zu identifizieren. Der babylonische Sabbat ist tatsächlich seinem Charakter nach mehr Buß- und Poenitenztag als gottinniger Ruhetag. Vielleicht habe gerade darum Jesaja (58,13) den babylonischen Juden zugerufen: וקראת לשבת עונג. Ähnliches gelte auch in Bezug auf die anderen Feste, auf Opfer und anderer eligiösen Symbole. Sie waren im Ursemitismus schon vorhanden und haben durch die biblische Gesetzgebung erst den israelitischen Charakter erhalten. Beim חג האביב trete der Auszug aus Ägypten, beim חג האסיף das Hüttenwohnen als Motivierung hinzu. Das Fest am l.Tischri, unser יראש השנה entbehrt bekanntlich in der Bibel (Lev. 23, 24) der näheren Motivierung, weil es eben, wie Jampel gründlich dartut, denselben religiösen Charakter schon bei den vorisraelitischen Hebräern hatte. Ja selbst die traditionelle und später in der liturgischen Poesie vielfach besungene Anschauung vom himmlischen Gerichtstag, von den Schicksalsbüchern, für die in der Bibel keinerlei Anhaltspunkt sich findet, lasse sich aus den babylonischen Inschriften leicht und gut erklären. Zwar sei auch dieser Gedanke in den babylonischen Inschriften durch reichliche polytheistische Zutaten verdunkelt und getrübt, aber — meint Jampel — in der semitischen Urzeit, in der der Gottesgedanke noch kräftig war, dürfte er umso reiner gestrahlt und geleuchtet haben. Und aus dieser Zeit, aus den Kreisen des ältesten Semitismus, den semitisch-ebräischen Gelehrtenzünften, habe Bibel und Tradition die erhabenen Rosch ha-Schana-Gedanken in ihrer reinen monotheistisch-ethischen Form wieder hervorgeholt.

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