Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 21 (sequence 3)
- Language
- German
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Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion. 21 Fortschritt vom rohen Polytheismus über die Brücke des Henotheismus zum reinen, sittlichen Monotheismus. Diese Entwicklung spiegelt sich noch im Worte Elohim ab. Aber diese Entwicklung — und das ist das Neue, das Jampel mit dem warmen Brustton der Überzeugung verkündet, aber doch nicht überzeugend genug beweist — vollzog sich schon in vorbiblischer Zeit. Die Erzväter, Moses und die Propheten haben die bei den vorisraelitischen Semiten geläufige Bezeichnung für die Gottheit im singulären, monotheistischen Sinne übernommen. Diese These, wenn sie einwandfrei, wissenschaftlich begründet werden könnte, wäre allerdings geeignet, manchen kritischen Theorieen, dem Dualismus zwischen den angeblichen Schriftstellern E. u. J., zwischen israelitischer Volksreligion und dem Gottesbegriff der Propheten, den Todesstoß zu versetzen. Aber Jampel schließt zu schnell, beipielsweise daraus, daß in Gen. c. 4 und 5, also in vorgeschichtlicher Zeit schon El-haltige Eigennamen Vorkommen, darauf, daß man schon in der grauen Urzeit des Semitismus nur einen einzigen Gott verehrt habe (S. 69 ff). Dann kann er freilich den offenkundigen Abfall vom ursemitischen Monotheismus zum krassen Polytheismus, wie er schon in den Inschriften der Hammurabi- Zeit grell zu Tage tritt, nicht genügend und überzeugend erklären — wenigstens nicht für unser historisches Denken, das einen solchen Hiatus nicht begreift. Ebenso wenig können wir Jampels Ansicht darin beistimmen, daß die biblische Darstellung Abrahams Gottesglauben nicht als eine originale Entdeckung, sondern nur als eine Wiederherstellung der ursprünglich ursemitischen Gotteserkenntnis ansehe (S. 74). Man lese nur die biblische Wendung in Gen. 12,7. 8 und denke an die spätere Tradition (Gen. Rabba c. 38), die Abrahams Gottesbegriff aus dem seelischen Kampfe mit astralmythischen Anschauungen entstanden sein läßt. Auch der bekannten Exodusstelle (6,3) gegenüber ist Jampel in einiger Verlegenheit. Denn dort wird der durch JHWH ausgedrückte Gottesbegriff zweifellos als eine neue, höhere Erkenntnisstufe gegenüber dem El-Schaddai der Patriarchen bezeichnet. Mit der Erklärung Schaddai Schadu Berg — Gewaltiger und mit dem