Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 60 (1916)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion
- Date
- 1916-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 2)
- Language
- German
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20 Die Vorgeschichte Israels und seiner Religion. wesen wäre. Er stürmt förmlich von Problem zu Problem und will den Leser in raschem Fluge fortreißen. Aber man muß es sagen, Jampel packt das Problem »Babel-Bibel« beherzt und kräftig an, geht dabei aufs Ganze und Große los und verschmäht jede kleinliche apologetische Tendenzmacherei. Der Grundgedanke, der sich durch Jampels Buch hindurch zieht, ist folgender: In Palästina gab es schon vor der Zeit der biblischen Patriarchen eine ebräisch-semitische Bevölkerung, die, von »jenseits des Stromes« gekommen, auf ihrem Zuge nach dem Westen von Palästina Besitz ergriffen und hier eine eigene hohe Kultur begründet hat. Diese Westsemiten, welche später von den in Palästina siegreich vordringenden chamitischen Kanaanäern ver» drängt wurden, tauchen im 3. Jahrtausend v. Chr. erst als Kolonisten, dann als Eroberer in Babylon auf, vereinigen unter Amraphel־ Hammurabi Nord- und Südbabylon und geben die Antriebe zur babylonischen Kultur, die somit semitischen, und nicht, wie viel־ fach angenommen wird, sumerischen Ursprungs ist. >Mit Abraham beginnt eine Rückwanderung in die Urheimat der ebräischen Semiten. So erklärt sich nach Jampel die historische Notiz in Gen. 12,6 והכנעני או בארץ, die bekanntlich schon Ibn Esra im zwölften Jahrhundert zu bibelkritischen Aufstellungen anregte, einfach aus dem unbehaglichen Empfinden Abrahams, des Ebräers, die ihm rassenverwandte ebräische Urbevölkerung Palästinas von den nichtsemitischen Kananäern verdrängt zu sehen; so erklärt sich die göttliche Verheißung an die Patriarchen, daß ihre Nach״ kommen Palästina, das ebräische Stammland, in Besitz nehmen sollen; so das Geständnis Abrahams in Gen. 23,4: »Ein Fremder und Beisasse bin ich in eurer Mitte«, so auch der Umstand, daß Abraham vornehmlich in Palästina seine neue Lehre verkündet hat. Jene babylonischen Ursemiten haben Männer hervorgebracht,, die gleich dem biblischen Malkizedek einen höheren Gottesbegriff, eine Art Henotheismus, kannten. So könnte, meint Jampel, sogar die talmudische Tradition historisch ernst zu nehmen sein, daß die Patriarchen zu Schern und Eber in die Schule, in’s Beth harnidrasch, gegangen seien. Hier vollzog sich ein gewaltiger geistiger