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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 1 · p. 31

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
31 (sequence 19)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 31 kein Mitleid und daher ist unser Aron offenbar von Kindheit an darauf ausgegangen, als jüdischer Erzbischof seinen Stamm, um in der Terminologie der Dame zu bleiben, an der Christenheit zu rächen. Seinen Charakter hat er ja behalten, als Jude hat er z. B. natürlich auch für die Natur kein Gefühl; ihm erscheint Alles als Luxus, was bloß schön und nicht ergiebig ist. Aber, muß man der Verfasserin Vorhalten, dann nutzt die Taufe eben auch nichts, und was sollen die Armen tun, die so sehr nach dem Taufwasser und der damit für sie verbundenen Aussicht auf die ewige Seligkeit gieren? Damit das Gegenbild nicht fehle, wird Graf Leontin (Hoensbroech?) eingeführt, der, zum Jesuiten erzogen und geweiht, eine tief religiöse, wahrhafte Natur ist und daher die Absicht hat, den Orden zu verlassen, während Aron, der Jude, die Religion zur Befriedigung der berechnenden Geld־ und Herrschsucht mißbraucht. Durch Agathe gerät Menen-Räh in einen Kampf mit dem Bruder. Er lebt, milde nur für die Armen seines Stammes (S. 226) in dem Steinpalast, den vor Hunderten von Jahren ein Handelsherr seines Namens gekauft hatte. Vor Jahrhunderten ein Jude! Und ein Jude, der dreimal verarmt ist, besitzt ihn noch immer! In dem Palast wohnt auch seine Mutter Monika Rah (so!) und seine Schwester, die verwachsene Mirjam. Gesellschaftlich beteiligt er sich nie an dem Treiben seiner Zeit und seines Stammes. »Er verachtet das Judentum der Moderne.« Im Stadtteil Israel (so wörtlich!) liebt er nur Agathe, deren Vater jetzt ein größerer Wucherer ist als je, und seine Mutter und seine Schwester. Dieses Familienleben ist vielleicht, um die Unparteilichkeit zu beweisen, sehr liebreich behandelt, vielleicht auch um des Gegensatzes zu den modernen Juden willen. Menen-Räh, (S. 265) ist auch sehr wohltätig, ohne Ansehen der Konfession, (vgl. oben) ein grausam wahrer Mensch, wie ein Domherr bezeugt. Zurückgewiesen von Joel, bei dem er um Agathe wirbt, will er sein Volk, sein altjüdisches Volk, zum Richter in dieser Sache, einer Stammesangelegenheit, machen. Es sind das höchst sonderbare Vor- Stellungen der Verfasserin, die allem Anschein nach die Juden für

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