Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 29 (sequence 17)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 29 neue Reiche. Laß wenige Jahrzehnte vorübergehen und auch die Kirche Roms wird unser sein, wie die Throne es sind und ihre Gebieter. Unermeßliche Weiten, neue Felder gigantischen Wirkens tun sich vor uns auf. Der Weg zur Weltherrschaft ist, auch uns, in Wahrheit gebahnt. Und ich habe erkannt, was uns nottut, um ganz Herr des verhaßten Volkes zu werden.« In diesem Kolportageromanton, den die hochgeborene Verfasserin den alten Bibelton zu nennen beliebt, geht es weiter. Übrigens denkt und spricht auch der neue Bischof so. »Du bist der Messias,« sagt er vor dem Bilde am Hochaltar, »an den wir nicht glauben. ... In meinen Adern fließt das Blut, das dich verfluchte. Eine Hand, wie die meine, hat dich ans Kreuz geschlagen. Tausendjährig ist der Kampf zwischen meinem Geschlecht und deinem Volke (dem jüdischen?). Er wird sein, solange nicht der letzte deiner Jünger fiel unter unserer Faust, denn wir sind das ewige Volk und ihr seid vergänglich, Nazarener!« usw. Als Bischof verblüfft er seine Beamten durch die nie versagende Vielseitigkeit eines außerordentlich entwickelten Geschäftssinnes. Sein Vater betritt nie den Palast, wohl aber besucht Aron (wie der Erzbischof auch jetzt genannt wird) oft in einfacher Priesterkleidung die Vorstadt und die Stube des alten Juden, der nach wie vor ärmlich und schmutzig lebt. Aron beschäftigt sich daselbst damit, seine Schwester Agathe zu bekehren und für die Taufe vorzubereiten. Allein Agathe »war die Jüdin der toten Jahrhunderte, der Verfolgungen und der ungerechten, schweren Schicksale (also doch!), die Jüdin des inbrünstigen Glaubens an die Lehre der Väter. Sie war kein Geschöpf der Zeit. Mit den geputzten, üppigen Töchtern ihres Stammes, denen die Moderne siegreich jeden Stand und jeden Genuß zugänglich macht, hatte dieses blasse Kind nichts gemein«. Und als Aron im Taumel des rasendsten Größenwahns ausruft: »Von aller Macht ist die dämonischste und die tiefgehendste die Macht des Priesters Und die, die ist unser geworden, Vater! Unseres Stammes! Ich bin der erste von uns, der ihren gefüllten Kelch ergreift, um ihn ganz zu leeren. Es ist eine rasende Wollust, ein Gigantengefühl, Priester