Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 28 (sequence 16)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2829132-2829866-2829868-2847547--41597-2847594- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
28 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman »Zum Sieg der Siege?« »Ja, ich tu’ es nicht für mich, ich tu’ es für euch Alle . . . Ich gab meine Seele hin für euch Alle, als ich mich taufen ließ. Sie ist gebrandmarkt, äußerlich. Innen ist sie rein (dabei ist er ein Schuft!). Ihr und eure Kinder werdet Joel Brahen noch neben Moses und die Patriarchen stellen. (Bis jetzt ist diese Prophezeiung noch nicht eingetroffen) . . . Der Gedanke an das Judentum hat mich geleitet bei meinem Lebensgang und bei der Erziehung meines Sohnes. Die Zeit, in der wir leben, steht im Zeichen unseres Stammes. Es ist ein stolzes Gefühl, das sagen zu können, nicht wahr? Das Volk, auf dem in barbarischen Zeiten die Geißel einer Welt Verachtung lag, über dessen Stirne ein Kainszeichen flammte, ist frei geworden und überschwemmt die Erde . . . Trotz Parteienhaß und Hader, trotz einer Schar von Widersachern, die uns auf Tod und Leben bekämpft, sind wir die Herren der Intelligenz des Tageslebens. Wir sind die Geldmacht, der Souveräne ihre Türen aufschließen, um uns dem angestammten Hochadel gleich-, wenn nicht vorzustellen; wir sind die Presse, die Kunst, die Industrie. Blick* hin, wo du willst, du findest uns überall dominierend (besonders im deutschen Offizierskörper, in der Diplomatie und der höheren Beamten- Schaft!), sei es offen an der Oberfläche, sei es als Basis, auf der ein Werk entsteht. Wir, die Verfluchten, die von dem Unfehlbaren in Rom einst mit Fußfall und Handkuß die Heimstatt in einem verseuchten Viertel erbetteln mußten, wir sind die Herren geworden, die Welt ist unser.« So spricht nach dem Kopfe einer blaustrümpfigen Aristokratin ein ganz gewöhnlicher Handelsjude, und dazu im alten Bibelton. Was aber nun folgt, ist geradezu verrückt. »Sieh, Herr! (Das ist wieder der alte Bibelton!) Wir haben unsern Weg gefunden in alle Kreise, in alle Sphären (nebenbei: Sphäre heißt auf deutsch Kreis) menschlicher Gesellschaft. Nur eins war uns noch verschlossen. Die katholische Kirche. (Und die Taufe?) Ich habe Bresche geschossen, Herr! Sie haben heute zum erstenmal (?) einen Juden zum katholischen Kirchenfürsten ausgerufen. Heil uns, Herr! Siegreich ziehen wir ein in