Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 25 (sequence 13)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 25 zusammen lebe als Heide und verlorener Mensch, und daß er so tief gesunken sei, trotzdem daß er aus einem so frommen, Christliehen Hause käme und man so viel an ihn und seine Erzieh ung gewendet habe. Beide fühlen, daß sie sich nicht in die andere Welt finden können, unbewußt. Früher hat es sie zu einander gezogen, nachdem sie sich kaum ein oder das andere Mal gesehen hatten, und jetzt, wo sie sich eigentlich kennen sollten, bemerken sie, daß sie einander innerlich doch fremd gegenüber stehen durch Geburt, Familie, Gewohnheiten und Lebensanschauungen. Besonders Jettchen fühlt sich mehr als je von ihrer Familie angezogen; liebt sie doch, sich selbst anfangs nicht klar, Oheim Jason, der sie gleichfalls schon lang mit mehr als oheimlichen Gefühlen in sein Herz geschlossen hat. So schwankt sie zwischen Kößling, zu dem sie ihre Sinne reißen, und dem Onkel, dem ihr Herz und ihre Seele gehören. Wieder ergreift sie die Flucht, diesmal aus dem für sie so zwiespältigen Leben. In ihrem Abschiedsbriefe an Kößling spricht sie aus, was ihr nach langen, fast unbewußten Kämpfen klar geworden ist, daß sie Jason liebe und in ihm, Kößling, nur die Jugend geliebt, daß der Zufall sie, zwei fremde Menschen aus anderen Welten, zusammengeführt habe. Es steht mir hier nicht zu, die Richtigkeit dieser Ansicht zu untersuchen. Jedenfalls ist kaum kräftiger die Stärke des Familienbandes, das die Juden im Guten und Schlechten zusammenhält, dargestellt worden, wie denn die ganze Haltung der Erzählung und die Darlegung der Charaktere durchaus vornehm ist, in ihrer ganzen Unbefangenheit und Parteilichkeit eine Oase in der Wüste und dem Wüste anderer Romane, die sich mit dem vielbehandelten Stoffe auseinanderzusetzen suchen. Das sehen wir am klarsten, wenn ich nun eine Dame heranziehe, die dem hohen Adel Österreichs angehörend, gleichfalls sich veranlaßt sieht, ihre Ansichten über Juden und Judentum vorzutragen, wie sie es inbezug auf Staat, Adel, Kirche, Militär getan hat.