Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 24 (sequence 12)
- Language
- German
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24 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman haben ihnen das beigebracht, daß ihnen nämlich ein Mann, der zehn Louisdor den Tag verdient, mehr ist, als alle Goethes, Schillers und Mozarts. »Es ist ein stiller, friedfertiger Kampf auf Leben und Tod. Und die andern (die Jakobys, das Gemeine) werden Sieger. Sie sind die Schlupfwespen, die ihre Eier in die schöne, große, grüne Raupe der Geberts legen, daß kein Schmetterling daraus wird. Das Geschmeiß wird sie doch bald unterkriegen.« »Und es kommt wie es kommen mußte.« Nicht ein Machtwort, die immer sich gleichbleibende Milde und Freundlichkeit des Onkels und der Tante Salomon brechen den stillen Widerstand Jettchens. Insbesondere die Tante entwickelt mehr Menschenkenntnis und Erfahrung, als man ihr zugetraut hätte. Jettchen wird mürbe, wie man ihr so still die Rechnung vorlegt, daß sie mehr als zwanzig Jahre fremdes Brot gegessen hat. Sie willigt ein, Julius Jakobys Weib zu werden, sie glaubt sich besiegt zu haben, hat aber nicht tapfer genug gekämpft, sonst hätte sie wohl den Onkel für sich gewinnen können, Zu spät ergreift sie fast besinnungslos einen verzweifelten Ausweg. Mitten im Hochzeitsjubel, in einer Novembernacht, entflieht sie dem Hause. Henriette Jakoby von Georg Hermann. Eg. Fleischei & Co., Berlin, 1908. 370 S. Es ist die Fortsetzung und der Schluß der Geschichte von Jettchen Gebert. Da die Charaktere dieselben bleiben, so brauche ich nur kurz für Leser, die das Buch nicht kennen, den Inhalt wiederzugeben. Auf der Straße findet Jason, der vor Jettchen die Hochzeit verlassen hatte, seine Nichte und nimmt sie mit in seine Wohnung, in der sie bleibt, obgleich Salomon, tief erschüttert, sie wieder zu sich nehmen will, ja sogar der Scheidung zustimmt. Doch ist sie mit den Ihrigen versöhnt. Ohne daß sie es ahnt, wieder durch die Macht der Gewohnheit und der Stärke des Familienbandes, tritt Kößling in ihr zurück, sobald sie ihre Menschen wiedergesehen, ihre Luft wieder geatmet hat. Auch Kößling wird von einem Stachel getroffen. Er hat Briefe von Hause erhalten voller Vorwürfe, daß er mit einer jüdischen Frau