Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 26 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2829132-2829866-2829868-2847547--41595-2847592- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
26 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman Die Darstellung der Juden bei Edith Salburg« Es ist die Gräfin Edith Salburg mit ihrem Roman Judas i in Herrn, Dresden, Karl Reisner 1904. 304 S. Die literarische Schätzung wollen wir umso eher bei Seite lassen, als sie nicht eben hoch anzusetzen wäre. Die Frau Gräfin nimmt ein Volk, Volksgenossen und eine Religion an, die es wohl in ihrer Einbildung, niemals jedoch in Wirklichkeit gegeben hat. Woher sollte die Dame sie auch kennen? Der Roman behandelt unter leicht erkennbarer Verkleidung den seinerzeit so berühmten oder berüchtigten Erzbischof Kohn von Olmütz. Es ist merkwürdig, daß auch hier die Handlung sehr dünn und ohne Mittelpunkt verläuft und uns gleichgiltig läßt. Daß die hochgeborene Frau, eine Antisemitin von reinstem Wasser, keine Ahnung von ihrem Vorwürfe hat, zeigen schon die ganz unmöglichen Namen der Juden. Da haben wir vor allem den reichen Handelsherrn Menen-Rah (auch bloß Menen, ohne den altägyptischen Gottesnamen), einen sehr edlen, überzeugten Juden. Er begegnet dem Baruch Islen, der von der Börse kommt (in Olmütz oder in Wien?). »Sie redeten einander an mit der Sympathie, die sehr kluge, dominierende Menschen und die auch Raubtiere zu einander treibt.« Wenn das nicht Gallimathias ist, dann gibt es keinen. Zu ihnen gesellt sich Monelsohn, der Chefredakteur der vornehmsten ZeitungHSer Monarchie und Silberer (von Silberer), der Chef des Verwaltungsrates einer Hauptbahn, alle katholisch getauft, bis auf Menen-Rah. Doch ich muß die ganze hirntolie Stelle hersetzen. »Mit Achtung begrüßten sie sich. Auf ihren Gesichtern begegnete sich derselbe Ausdruck, in den Augen derselbe Blick, als stünden sie unter dem Eindruck einer Empfindung. Überraschendjwar es, sie zu beobachten. Beinahe beklemmend.« »Hört Ihr die Glocken ein Fest einläuten?« fragte Monelsohn. »Sie läuten Hochverrat,« sagte finster Menen-Räh. »Im Gegenteil, sie läuten etwas Großes ein. Eine neue Siegesepoche. Einen Ungeheuern Schritt vorwärts.«