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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 1 · p. 23

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
23 (sequence 11)
Language
German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 23 Dinge nicht an sich herankommen. Onkel Salomon hat sich in der Ehe seiner Frau angeähnlicht, er ißt und trinkt gern gut, schläft, spielt Whist und., geht als bedeutender Kaufmann ganz ln seinem Geschäft auf. Zwar hat er seine vornehme Natur nicht verloren, aber, obwohl er Jettchen schon hätte verheiraten können, da sie bereits hoch in den Zwanzigern ist, hält er doch das Geld fest und es ist bequemer sie als Unterstützung der Tante im Hause zu behalten. Onkel Ferdinand ist ganz selbstsüchtig geworden. Von seinen Kindern ist Jenny eine Gebert, Wolfgang ein kränklicher, verprügelter Knabe, der ältere Max ein Bengel, der Mutter nachgeraten. Die Heldin Jettchen, deren Vater in den Freiheitskriegen gefallen war, und die von Onkel Salomon und Tante Riekchen erzogen wurde, ein schönes, an Leib und Seele gerades Menschenkind, ist wohl durch ihr Schicksal still und etwas verträumt geworden. Das trennt sie von den andern Geberts mit ihren ständigen Temperamentsäußerungen und sie fühlt sich, wenngleich als Kind des Hauses betrachtet und behandelt, fast fremd und einsam darin. Äußerlich und innerlich sind die Jakobys, die aus Posen stammen, die Gegenpole. Klein, gedrungen, fett, hübsch, voll Enge und Beschränktheit, denken sie alle, Riekchen und Hannchen, die Frau Ferdinands, Max und besonders Julius, recte Joel, Jakoby aus Benschen in Posen niedrig. Dieser nennt sich mit Vorliebe einen modernen Kaufmann, ihn plagen weder Skrupel noch Zweifel, er wird auch in Berlin seinen Weg machen. Das ist der von Tante Riekchen ausersehene Bräutigam Jettchens. In diese Welt tritt Dr. Ferdinand Kößling und erkennt sie bald als eine ihm fremde. Er »gehörte zu den Menschen, die nie müde werden. Alles Körperliche kommt bei ihm zu zweit. Ob er satt zu essen hatte oder hungern mußte, ob er Gold in den Taschen hatte oder kaum Kupfermünzen — das traf ihn nicht im Innersten und es tat ihm nichts an.« Die Geberts aber haben sich mit dem Leben als Tatsache abgefunden, sie sind alle beleidigend zufrieden. Essen, Trinken, Musik, Literatur, alles reicht für das Haus hin. »Meine Brüder,« sagt Jason, »waren früher nicht so, aber die Jakobys

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