Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 22 (sequence 10)
- Language
- German
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22 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman genug wären, diese äußerliche Zufälligkeit zu übersehen. Aber Sie vergessen dabei einen gewissen Stolz, den unsere Familie hat, daß wir eben als Juden hier angesehen und geachtet sind. Wenn mein Vater sich und uns hätte taufen lassen wollen, wie ihm öfter als einmal nahegelegt worden ist, wir hießen vielleicht heute von Gebert und wären Offiziere und Räte bei der Regierung. Und daß wir das nicht getan haben und nicht zu Kreuze gekrochen sind und in keiner Weise unsere Gesinnung verkauft haben — nicht so und nicht so — das ist unser Stolz, und wir wollen auch für die Zukunft nicht gern, daß er in unserer Familie aufgegeben wird.« »Es sind eben doch nicht die paar Gebräuche; auch Jason weiß ebensogut, weswegen wir am Judentum hängen und uns dagegen sträuben, daß es in• unserer Familie ausstirbt,« meint Salomon. Jason nämlich denkt im Innern weit weniger vernunftmäßig: »Wenn ihr euch nur lieb habt, wenn ihr euch nur lieb habt!« Ebenso denkt der alte Onkel Eli, dem die Revolutionsideen seiner Jugend in Fleisch und Blut übergegangen sind. Auch die Vornehmheit der Geberts und die Protzennatur der Jakobys kehrt sich gegen den armen Literaten ohne feste Stellung und Beschäftigung. Die Vornehmheit der Geberts. Es sind mit Ausnahme des Onkels Ferdinand lauter Prachtmenschen, wie auch dieser und selbst der Onkel Salomon erst von ihren Frauen, den Jakobys, zur Erde niedergezogen worden sind. Die Geberts sind vornehme, lebensstarke Naturen, die ganz steif und gerade gehen, ohne nach rechts und links zu schauen. Ihre Augen sind dunkel, mandelförmig und machen alle Geberts zu Schwerenötern und Mädchenjägern. Da ist der neunundsiebzigjährige Onkel Eli, der sich altväterisch nach einer längst vergangenen Mode trägt und berlinerisch jüdelt. Da ist Onkel Jason, in den Vierzigern, Hagestolz und enfant terrible der Familie, derb, ein Durchgänger, aber voll Takt und Bildung. Als Freiwilliger ist er in der Schlacht vor Großbeeren verwundet worden, (er kann allerdings erst 13 Jahre alt gewesen sein) sang damals Arndts und Körners Lieder, jetzt singt er die von Beranger. Er ist zwar geistreich, mit künstlerischen Anlagen, aber energielos, läßt die