Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 20 (sequence 8)
- Language
- German
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20 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman eigenen Erstaunen selbst als Mitspieler entdeckt. Auch er ist Schriftsteller, es wenigstens gewesen, jetzt will er nichts mehr davon wissen, »die Fähigkeit sich selbst zu betätigen, ist ihm int Laufe der Jahre völlig abhanden gekommen.« Er glaubt an gar nichts, nicht einmal an die Schönheit des Südens. Dr. Berthold Stäuber ist ein geschickter, auch wissenschaftlich tätiger Arzt. Er ist Abgeordneter gewesen, hat aber soeben sein Mandat niedergelegt, weil ihm ein christlich-sozialer Abgeordneter, der ihm sachlich nicht hatte erwidern können, »Ruhig Jud! Halts Maul, Jud! Jud! Kusch!« zugerufen hat, während ein anderer dieser Ehrenmänner ihm unmittelbar darauf im Buffet aufs freundlichste entgegengekommen war. Er selbst berauscht sich zwar gern an seinen eigenen Worten, ist aber ein braver Mensch, wenn auch ein wenig philiströs, wie sein Vater, der alte Doktor Stäuber. Sie sind mit Ehrenbergs entfernt verwandt und Georg verdrießt es, daß ihm das der alte Herr sagt. Denn es bestand nach seiner Empfindung durchaus keine Notwendigkeit, ihm offizielle Mitteilung von seiner Zugehörigkeit zum Judentum zu machen. Er wußte es ja und nahm es ihm nicht übel. Aber wo er hinkam, begegnete er nur Juden, die sich schämten, daß sie Juden waren, oder solchen, die darauf stolz waren und Angst hatten, man könnte glauben, sie schämten sich. Wieder eine der vielen richtigen Beobachtungen, an denen das Buch so reich ist. Aber ich kann beim besten Willen nicht alle Gespräche mitteilen, die über Juden, jüdische Religion, Zionismus geführt werden. Sie sind ja oft sehr geistreich, auch richtig, aber die feste, sichere Meinung des Dichters »den Weg ins Freie« fand ich nirgends, immer nur die Ansichten der Sprechenden. Es sind zum Teil »jüdisch-überkluge, schonungslos menschenkennerische Leute« wie Bermann und Nürnberger, teils Genußteils schöngeistige Menschen, denen es auf Erden sehr gut oder doch leidlich ergeht, die sich den ärmeren Glaubensgenossen entfremdet fühlen und umgekehrt von den höheren christlichen Kreisen ihrerseits nicht für voll genommen werden. So sollte meiner Meinung nach, dieses Buch den Titel »Großstadtjuden« führen, während uns