Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Journal
- Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
- Volume
- 59 (1915)
- Issue
- Heft 1
- Article
- Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
- Date
- 1915-01-01
- Page
- 19 (sequence 7)
- Language
- German
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des zwanzigsten Jahrhunderts. 19 daß Willy ein Jude ist־ »Schon der alte Eißler, Willys Vater* der anmutige Wiener Walzer und Lieder komponierte, sich kunst- und altertumsverständig mit dem Sammeln, zuweilen auch mit dem Verkauf von Antiquitäten befaßte und seinerzeit als der berühmteste Boxer von Wien gegolten hatte, mit seiner Riesengestalt, dem langen, grauen Vollbart und dem Monokel, sah eher einem ungarischen Magnaten ähnlich, als einem jüdischen Patriarchen; aus Willy hatten Anlage, Liebhaberei und eiserner Wille das täuschende Ebenbild eines geborenen Kavaliers gebildet. Was ihn jedoch von andern jungen Leuten seines Stammes und seines Strebens auszeichnete, war der Umstand, daß er gewohnt war, seine Abstammung nie zu verleugnen, für jedes zweideutige Lächeln Aufklärung oder Rechen- Schaft zu fordern und sich gelegentlich über alle Vorurteile und Eitelkeiten, in denen er oft befangen schien, selber lustig zu machen«. Die dunkle Empfindung, daß dieser ungarische Jude die ganze, ihm persönlich so verhaßte Feudalbande in irgend einer Weise überliste, erfüllt Ehrenberg, der, wie wir ja sehen, den gesunden Menschenverstand vertritt, mit Hochachtung für den jungen Mann. Elses Bräutigam, Heinrich Bermann, ist ein hagerer, bartloser Mensch mit düsteren Augen und etwas zu langem, schlichtem Haar, hat sich in der letzten Zeit als Schriftsteiler bekannt gemacht und erinnert in seinem Aussehen und Gebaren ganz an einen fanatischen, jüdischen Lehrer aus der Provinz. Allerdings, wenn man länger mit ihm spricht, ändert sich dieser Eindruck. Er trägt einen zu weiten Sommeranzug mit zu billigem Strohhut, zu lichter Krawatte, spricht bald lauter, schweigt bald tiefer als die Andern. Grüblerisch, stets sich und seine Empfindungen zergliedernd, ist er skeptisch und hält auch seine sogenannte Künstierschaft für etwas durchaus Mäßiges. Edmund Nürnberger, den wir gelegentlich schon kennen gelernt haben, besitzt schwarzes, glattes, etwas glänzendes Haar, bohrende Augen und um den schmalen Mund jenes fast maskenhaft gewordene Lächeln der Verachtung für das Welttreiben, das er bis auf'den Grund durchschaut und in dem er sich doch manchmal zu seinem 2*