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Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums · 1915-01-01 · Heft 1 · p. 16

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Journal
Monatsschrift für Geschichte und Wissenschaft des Judentums
Volume
59 (1915)
Issue
Heft 1
Article
Die Darstellung der Juden im deutschen Roman des zwanzigsten Jahrhunderts
Date
1915-01-01
Page
16 (sequence 4)
Language
German
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16 Die Darstellung der Juden im deutschen Roman über und lüftet den Hut, da eben ein paar junge Aristokraten aus der Kirche kommen, vor denen er sich katholisch geberden will. »Weiß der Himmel, wie oft er schon vorher sich dieser Falschmünzerei ungefährdet schuldig gemacht hat« bemerkt der Schreiber. Das Unglück will nun heute, daß im selben Augenblick der alte Ehrenberg des Weges daherkommt. Er sieht, wie Oskar vor dem Kirchentor seinen Hut abnimmt und von einer fassungslosen Wut ergriffen »haut er seinem Sprößling eine Ohrfeige herunter.« Oskar macht einen Selbstmordversuch, wird aber gerettet und kann weiter mit der Eleganz gekleidet erscheinen, die viel von dem ersten Kommis eines Modehauses, manches von der eines jugendlichen Oesangskomikers und auch einiges von der eines jungen Herrn aus der Gesellschaft hat. Ein Prachtstück naturgetreuer Charakterschilderung ist Fräulein Else Ehrenberg, das Muster eines durch Romanleserei verbildeten Mädchens, auf welches überdies der Einfluß der eitlen, nur an ihre »Gesellschaften« denkenden Mutter gewiß nicht wohltätig eingewirkt hat. Sie ist vierundzwanzig Jahre alt geworden und hat sich mit einem Literaten, der zwar kein Adonis ist, aber sich auf dem Wege zum Ruhm befindet, verlobt, da sie das Gemisch von Herrenreiter und Ästheten in höchster Vollendung, das sie sich ersehnt hat, doch kaum finden wird. Zwar hat sich zwischen ihr und Georg Wergenthin im Laufe der Jahre ein gewisses Einverständnis herausgebildet, aber es war mehr äußerlich als tatsächlich vorhanden. Sie ist von Jahr zu Jahr nach außen sicherer, innerlich unsicherer geworden und träumt sich manchmal als Weltdame — eben das Ideal dieser Kreise —, Veranstalterin von Blumenfesten, Patronesse von großen Bällen und dergleichen oder von einer sensationellen Heirat mit einenf amerikanischen Millionär, Flucht mit einem Violinvirtuosen oder spanischen Offizier, dämonischem Zugrunderichten aller Männer, die sich ihr nähern oder auch wieder an der Seite eines rüstigen Gutsbesitzers im Kreise von vielen Kindern, wo möglich mit früh ergrautem Haar (vorläufig sind Stirn und Wangen von blauschwarzen Locken umwirbelt), ein resigniertes Lächeln auf

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